Es war einer der gefühlten Höhepunkte der 24-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Magdeburg und Braunschweig – die Niedersachsen gehen eine Viertelstunde vor Abpfiff 2:1 in Front, laden aber dann mit zwei Roten Karten den Fußball-Regionalligisten FCM förmlich ein, die dramatische Partie noch zum 3:2-Erfolg "umzubiegen".

Magdeburg. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper, der dienstlich in Heidelberg unterwegs war und sich erst am Sonntagabend die Fernsehbilder der dramatischen 90 Minuten vom Sonntag zu Gemüte geführt hatte, glaubt allerdings nicht an das "Gastgeschenk" der Braunschweiger: "Im Sport spielt unsere Städtepartnerschaft keine Rolle. Wenn man auf dem Platz steht, will man gewinnen, da gibt es keine Geschenke." Und tatsächlich hätten sich die Braunschweiger U 23 mit drei Punkten ihre Minimalchance auf den Klassenerhalt bewahren können.

Wie sich jedoch die noch zehn Minuten vor dem Abpfiff 2:1 vorn liegenden Gäste ohne Not und 50 Meter von ihrem Tor entfernt durch ein unnötiges grobes Foul und einen anschließenden Würgegriff selbst dezimierten, grenzte schon fast an Vorsatz. Und selbst Eintracht-Coach Christian Benbennek sprach von "Nervosität und Dummheit", mit denen sich seine Elf "selbst geschlagen hat".

Dahingestellt sei, wie das nicht hochklassige, aber trotzdem rassige Spiel gegen elf Braunschweiger ausgegangen wäre. So aber erwiesen sich die Einwechslungen von Shergo Biran als drittem Angreifer und schließlich auch noch von Flügelflitzer Maik Georgi für den glücklosen Marko Verkic als richtige Schachzüge von FCM-Trainer Wolfgang Sandhowe. Auch wenn bei weitem nicht alle Fans die Auswechslung des neben Kapitän Daniel Bauer besten Spielers, Moritz Instenberg, nachvollziehen konnten. Doch der Coach hatte auch hierfür ein Argument parat: "Die Zuschauer haben ein Recht zu pfeifen. Ich verfüge über ausreichend Optimismus, weiß aber auch, dass es im Fall einer Niederlage so richtig Theater gegeben hätte."

Erleichtert zeigte sich auch FCM-Präsident Peter Fechner: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die sich nach dem zwischenzeitlichen Rückstand nicht aufgegeben hat und so eindrucksvoll wiedergekommen ist. In Kapitän Daniel Bauer hatten wir einen überragenden Führungsspieler." Der Angesprochene, immerhin seit zehn Jahren im Profigeschäft und am Sonntag einmal mehr Dreh- und Angelpunkt beim FCM, konnte sich auch gestern noch nicht daran erinnern, ein Spiel in den Schlussminuten noch "gedreht" zu haben: "Da fällt mir nichts ein. Wir stehen über dem Strich und haben den Klassenerhalt weiter selbst in der Hand."

Und selbst der für den Verletzten Stephan Neumann als Linksverteidiger aufgebotene Routinier Kosta Rodriguez schwärmte: "Diese spannende Schlussphase ist mit Worten nicht zu beschreiben. Wir wollten mit Macht den Sieg und sind dafür – anders als oftmals zuvor – belohnt worden."

Doch Wolfgang Sandhowe wäre nicht er selbst, fände er nicht selbst im Gefühl des Erfolges Kritikwürdiges: "Es ist uns nicht gelungen, aggressiver gegen den Ball zu spielen. Das muss in den zwei noch ausstehenden Spielen deutlich besser gemacht werden."