Die Schule des Zweiten Bildungsweges ist derzeit zentral in der Brandenburger Straße untergebracht. Nach den Vorstellungen der Stadt soll sie in den Süden umziehen, abseits von Hauptmagistrale und Verkehrsanbindung. Dagegen haben die künftigen Abiturienten Protest eingelegt.

Magdeburg. "Sackgasse Schulwechsel", "Der zweite Bildungsweg auf dem Abstellgleis" – die Plakate der Schüler geben Auskunft über ihre Befürchtungen. Was ist es wert, das Abitur über den zweiten Bildungsweg? Werden doch nicht so viele Fachkräfte gebraucht, wie derzeit überall behauptet wird? Die Schüler, die hundertprozentig dasselbe Abitur ablegen wie an anderen Gymnasien, fühlen sich abgeschoben.

Hintergrund ist ein Entwurf der Stadt zur Entwicklung der Schulstandorte, der heute Thema im Bildungsausschuss sein wird. Darin geht es u. a. um die Verlegung der Schule des Zweiten Bildungsweges von der Brandenburger in die Helmstedter Straße.

"Wir sind schockiert über den Beschlussvorschlag, den wir auf der Webseite der Stadt Magdeburg gefunden haben", melden sich die künftigen Abiturienten zu Wort.

Anfahrtsweg stark erschwert

In einem gemeinsamen Brief betont die Klasse 1-10: "Durch eine Verlegung an den Standort wird für die 42 Prozent auswärtigen Schüler, die jeden Tag unter anderem aus Oschersleben, Dessau oder Wernigerode kommen, der Schulweg immens erschwert, da sie zukünftig nicht mehr von der unmittelbaren Nähe des Schulgebäudes zum Hauptbahnhof profitieren können, sondern lange Anfahrtswege und zusätzliche Kosten in Kauf nehmen müssen. Dies könnte vor allem für die Schüler des Abendgymnasiums zum Problem werden, da diese in der Regel neben ihrer Berufstätigkeit täglich zwischen 17 und 22 Uhr Unterricht haben, und somit auch nach 22 Uhr abends von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig sind. "

Der Entwurf der Stadt sieht vor, dass die Schule des Zweiten Bildungsweges gemeinsam mit der Sekundarschule "Johann Wolfgang von Goethe" ein Schulgebäude in der Helmstedter Straße bezieht.

In der Begründung heißt es u. a., dass sich die Situation der Schüler verbesserte, da das derzeitige Gebäude in der Brandenburger Straße unsaniert sei. Außerdem ist von Synergieeffekten die Rede, wenn künftig zwei Schulen sich ein Gebäude teilen würden.

Dies wäre jedoch ein großes Problem, befürchten Schüler und Lehrer der Schule des Zweiten Bildungsweges – gibt es doch nicht nur den Unterricht am Abend, sondern ebenso am Tag fürs Kolleg.

Das Gebäude in der Helmstedter Straße habe nicht genug Räume für die gleichzeitige Nutzung, ganz zu schweigen von Fachkabinetten, die übrigens noch gar nicht existieren.

"Vorgesehen für momentan 8 Klassen am Tage und 3 Klassen am Abend sind 9 ehemalige Grundschulräume ohne Fachkabinette, die ein Gymnasium aber dringend benötigt", erklären die Schüler. "Von der Förderung für das Nachholen des Abiturs und einer Bekämpfung des Fachkräftemangels kann hier keine Rede sein." Die Synergieeffekte bei der Beschulung von zehn- bis sechzehnjährigen Schülern und den Schülern der Schule des Zweiten Bildungsweges, auf der sich Schüler mit einem Durchschnittsalter von Mitte zwanzig befinden, erschließe sich ihnen nicht, schreiben sie. "Wir appellieren an den Stadtrat, diese Beschlussfassung nochmals gründlich zu überdenken und unsere Schule nicht in das Abseits zu drängen." Die Schule des Zweiten Bildungsweges gibt es in Magdeburg im 20. Jahr. Rund 180 Frauen und Männer besuchen diese Bildungseinrichtung, um ihr Abitur zu machen.

Erste Anmeldungen zurückgenommen

Das bedeutet: Drei Jahre lang lernen sie genau denselben Unterrichtsstoff wie die Gymnasiasten an anderen Schulen. Und letztlich legen sie genau dieselben Prüfungen ab.

Der Unterschied: Sie sind bereits älter und haben oftmals sogar schon selbst Familie. Denn das Mindestalter für die Schule des Zweiten Bildungsweges ist 19 Jahre. Die Frauen und Männer besuchen entweder das Kolleg am Tage oder neben ihrem Beruf die Abendschule.

Neben all diesen Belastungen kämen die umständlichen Wege zum neuen Standort in Sudenburg hinzu sowie eine schlechte Verkehrsanbindung, vor allem für die auswärtigen Schüler, insbesondere nach dem Abendunterricht.

Durch die Verlagerung des Standortes wird sogar das Aus der Schule des Zweiten Bildungsweges befürchtet. Erste Abmeldungen hat es bereits gegeben, bestätigt Koordinatorin Johanna Franke: Nachdem die Pläne bekannt wurden, haben Interessenten fürs nächste Schuljahr ihre Anmeldung zurückgezogen. "Wir möchten kein Porzellan zerschlagen", sagt Johanna Franke, "aber es geht um die Schüler und ihre Perspektive. Wir hoffen, dass die Stadträte noch einmal über die Entscheidung nachdenken."

Die Sitzung des Bildungsausschusses ist öffentlich. Sie beginnt heute im Rathaus um 16.30 Uhr.

Eine halbe Stunde vorher ist seitens der Schüler die Übergabe der Petition und eine Demonstration auf dem Alten Markt geplant.