Mitarbeiter des Stadtgarten- und Friedhofsbetriebs haben gestern Mittag eine erste Übersicht über den Befall der Baumbestände mit den problematischen Eichenprozessionsspinnern vorgelegt. Demnach haben sich derzeit in 133 Großbäumen die haarigen Schmetterlingsraupen eingenistet. Erstmals schwärmten Kammerjäger aus.

Magdeburg. Der Schädlingsbekämpfer hatte gestern die befallene Eiche auf dem Gelände der MDCC-Arena zunächst mit einem Absperrband umgeben. In der kommenden Woche soll die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners konzentriert beginnen. Das Gelände am Sportgymnasium ist dann ebenfalls an der Reihe.

Das seien auch keine Einzelfälle, "wir mussten eine Spezialfirma ordern", sagte Simone Andruscheck.

Die Betriebsleiterin des Stadtgarten- und Friedhofsbetriebs hatte seit Montag Mitarbeiter in die Eichenbestände geschickt. Vor allem Schul- und Kindergärten, Freibädern und Grillwiesen galten die Erkundungen.

Was die "Raupenspäher" gestern vorlegten, war durchaus heftig. An 133 Eichen wurden bislang Nester der gefräßigen Krabbler geortet. Der Schwerpunkt mit 96 Bäumen seien Rotehorn- und Herrenkrugpark, sagte Simone Andruscheck. Der Nordosten mit Rothensee sei außerdem betroffen, gleichfalls Cracau, Pechau, hieß es weiter.

<6>Die Stadtverwaltung hatte bereits Ende der Vorwoche (wir berichteten) die Öffentlichkeit gewarnt. Die Raupen gelten zwar nicht wie Ratten oder Tauben als Krankheitsüberträger, bestätigte gestern Dr. Eike Hennig, Leiter Gesundheitsamt, auf Nachfrage. Aber: Kontakte mit den sogenannten Brennhaaren, auch wenn sie herumfliegen, können Schleimhautreizungen, Quaddeln, Ausschlag hervorrufen.

<7>Bei Allergikern droht unter Umständen sogar Atemnot.

<8>Michael Schenk, Pressesprecher im Landesumweltministerium, klassifizierte die Situation inzwischen so: In Magdeburg handelt es sich um einen neuen Befallsherd, also um eine örtliche Massenvermehrung. Dauerhaft schädigen sie den Eichenbestand. Mancherorts, jüngst zum Beispiel in Ahrendsee, mussten sie sogar von Hubschraubern aus bekämpft werden.

Die Raupen fressen vor allem nachts. Morgendliche Begegnungen mit den massenhaft in Reih und Glied wandernden Raupen seien ein Zeichen dafür, dass sie die begehrten ersten Triebe vom Baum abgenagt haben. Die Prozession begibt sich zum nächsten Baum, frisst und frisst ... Schenk: Selbst in der Schleimspur befänden sich massenhaft abgebrochene Reizhaare. Hundehalter sollte das zusätzlich veranlassen, ihre Hunde anzuleinen. Denn: Schnuppern diese am Schleim, könnten sie tierische Probleme bekommen.

Für die Bekämpfung der wandernden Raupen – sie sind zunehmend ein bundesweites Problem – wird ein biologisches Präparat (Bazillus thuringiensis) gesprüht.

Mit fortschreitendem Zustand werden jedoch diese Mittel unwirksam. "Es werden auch bei uns spezielle Geräte eingesetzt, mit denen die Nester abgesaugt werden", kündigte Simone Andruscheck an.

   

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