In die alten Hallen am Wissenschaftshafen kommt neues Leben. Wo sich einst Magdeburgs erstes Elektrizitätswerk befand, zieht die Kunst ein. Die Vorbereitungen haben begonnen für das große Fest "La Notte … zu neuen Ufern". Damit wird am 18. Juni das Internationale Figurentheaterfestival eröffnet. 150 Künstler aus ganz Europa werden erwartet.

Neue Neustadt. In der großen Halle an der Otto-Hahn-Straße wird gehämmert, gesägt, gebaut und bezogen. Sven Nahrstedt erklärt: Hier entstehen Kuben (Baukörper), die später als Info-Stände, Programm-Informanten, Wegweiser Verwendung finden. Alle in selber Art gefertigt, für ein einheitliches Bild. 4000 Meter Holzlatten werden gerade verbaut, bezogen mit 500 Flächenmetern Tyvek, einem Faserfunktionstextil. Es sieht aus wie Papier, ist aber wasserbeständig, erklärt der Ausstattungsleiter. Die Belastbarkeit wurde im Puppentheaterhof bereits getestet. "Wir haben vor zwei Monaten einen Tyvek-Behälter mit Wasser gefüllt – er hält immer noch."

In der riesigen Halle ist Platz zum Bauen und Lagern der großen Kuben und Stände. Die werden in rund drei Wochen übers gesamte Gelände verteilt. Dann ist Platz auch in dieser Halle für internationale Kunst. So wird beispielsweise der chilenische Künstler Cesar mit Weiden arbeiten und daraus u. a. einen sechs Meter hohen Pegasus auferstehen lassen.

In der oberen Etage befindet sich die alte Leitwarte des Elektrowerkes. "Maxim Gorki Theater" steht noch an die Wand geschrieben, darunter leere Zugänge ehemaliger Stromleitungen. "Von hier aus hat die ganze Stadt ihren Strom bekommen", erzählt fasziniert Frank Bernhardt, der künstlerische Leiter. Jetzt schweißt Winfried Pinsch an metallenen Bodenplatten, die später Teil der Inszenierung werden. Aus alten Abgrenzungen entstehen Zuschauerräume, von wo aus die Besucher die Premiere einer interaktiven Installation verfolgen können.

Im Keller bereitet Marianne Fritz mit jugendlicher Unterstützung den "Ernstfall" vor. "Wir wollen nicht nur Entertainment", erklärt Frank Bernhardt, "wir lassen die Diskussion zum Thema Atomkraft einfließen."

Auf dem Hof proben währenddessen Pascal Martinoli und Guggi Zuzakova ein Stück über die vier Elemente, in Kombination mit Artistik, Maskenspiel und Tanz. Noch vor Kurzem war der Bereich unbegehbar. Seit März hat die Puppentheater-Crew daran gearbeitet, das gesamte Gebiet urbar zu machen. Unterstützung findet sie u.a. beim Jugendtheaterklub, der Jugendkunstschule und Studenten.

<6>Auf der anderen Seite der Halle entsteht ein Imbiss-Ressort. Davon werden übers gesamte Gelände sechs verteilt sein mit dem größten Gastro-Angebot, das es bisher bei "La Notte" gab, sagt Bernhardt. Damit die Gäste des Figurentheaterfestes ausreichend Möglichkeiten zum Pausieren haben, auf ihren Wegen zwischen den Aufführungsattraktionen. Sechs Hektar (!) Gesamtfläche werden bespielt und gestaltet. Zwischen Denkfabrik und Montego-Beach-Bar, zwischen Sarajevo- und Elbufer – und sogar darüber hinaus. An der anderen Flussseite haben die Vorbereitungen für Lichtinstallationen begonnen.

Zwischen traditionellem Puppenspiel und digitalem Avatar-Erlebnis bewegt sich "La Notte". Mit einem "Wechsel von Show- und Schau-Elementen", sagt Frank Bernhardt. "Wir möchten das Gebiet so verändern, dass man es nicht mehr vergisst." An anderen Orten hat das Puppentheater genau das geschafft – ob im Buckauer Engpass oder am Schiffshebewerk. Jedes Mal schienen die innovativen Künstler sich wieder selbst zu übertreffen. Von den Plänen her wird es ihnen auch diesmal gelingen. Zumindest machen die Ideen, macht das Programm mehr als neugierig.

Es wird nicht einfach sein, zwischen den ganzen Attraktionen zu wählen. Deshalb empfiehlt sich eine gute Vorbereitung. Der Programmplan ist zu ersehen auf der Internetseite des Puppentheaters. "Manche Aufführungen gibt es auch am Sonntag und am Montag noch einmal", gibt Frank Bernhardt einen Tipp, "wer sich nicht entscheiden möchte, kann gern noch einmal kommen."

Eintrittskarten für das Eröffnungsfest "La Notte" (und natürlich für alle Vorstellungen des Festivals) sind im Vorverkauf erhältlich, u. a. in den Service-Stellen der Volksstimme, bei der telefonischen Hotline 01805/ 121310 sowie direkt im Puppentheater in der Warschauer Straße.

Programmübersicht und Gastspielinformationen gibt es im Internet auf der Seite

www.puppentheater- magdeburg.de

   

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