Magdeburg - Auch fast sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs stellen dessen gefährliche Überbleibsel die Munitions-Experten in Sachsen-Anhalt noch vor Herausforderungen. "Nach vorsichtigen Schätzungen dürften noch über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Bombenblindgänger aus dem letzten Weltkrieg und andere Kampfmittel gefunden werden", sagte Axel Vösterling, Pressesprecher des Technischen Polizeiamtes Sachsen-Anhalts, der dpa. Im abgelaufenen Jahr entschärften die Bombenräumer 112 Blindgänger, einen mehr als im Vorjahr. Außerdem entsorgten sie tonnenweise Munition unter anderem auf ehemaligen Übungsplätzen der Sowjetarmee.

Dass Weltkriegsmunition noch immer eine tödliche Gefahr ist, wurde erst am Freitag wieder deutlich: Bei Baggerarbeiten in einem Industriegebiet bei Bonn explodierte ein Blindgänger. Ein Baggerfahrer kam ums Leben.

"Als besonders schwierig kann die Kampfmittelberäumung im Oktober und November in Leuna-Ockendorf bezeichnet werden", erklärte Vösterling weiter. Damals habe der Verdacht bestanden, dass die gefundene Munition chemische Kampfstoffe enthalten könnte. "Dieser Verdacht hat sich allerdings nicht bestätigt", berichtete der Sprecher des Technischen Polizeiamtes.

17 000 Menschen mussten im Oktober vergangenen Jahres in Magdeburg ihre Häuser verlassen, weil bei Baumaßnahmen eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde.

Die Hinterlassenschaften der Truppen der Sowjetarmee beschäftigen die Bombenräumer auch mehr als 20 Jahre nach deren Abzug aus Sachsen-Anhalt noch immer. Wobei es laut Vösterling nicht möglich ist, zu beziffern, was die ehemaligen Blockpartner in der früheren DDR an gefährlicher Munition zurückgelassen haben. "Eine liegenschaftsbezogene Statistik zum Aufkommen von Fundmunition wird nicht geführt, daher ist eine Aussage zu Anzahl oder Tonnage von Fundmunition auf einstigen russischen Truppenübungsplätzen nicht möglich", antwortete er auf entsprechende Fragen.

Es wird auch weiterhin immer wieder Munition gefunden, die entweder aus Depots der geschlagenen Wehrmacht oder aus Beständen der Alliierten stammt. Über die Jahre ist das Aufkommen der beseitigten Munition sehr unterschiedlich gewesen, wie Vösterling mitteilte. Wurden 1993 erst 132 Tonnen in der Statistik erfasst, waren es 1999 mehr als 5000 Tonnen. Eine Erklärung dafür gab der Sprecher des Technischen Polizeiamtes jedoch nicht. Nachdem die Menge der gefundenen Munition in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich war, lässt sich mit Blick auf die vergangenen drei Jahre ein kontinuierlicher Rückgang feststellen: Waren es im Jahr 2010 noch 630 Tonnen, so ging der Wert im Jahr 2011 auf 550 Tonnen und im Jahr 2012 auf 87 Tonnen zurück.

Die 33 Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Sachsen-Anhalt, von denen neun zum Entschärfen von Bombenblindgängern befugt sind, werden auch in Zukunft gut zu tun haben. "Für die Beräumung von Flächen, soweit es sich lediglich um das Sondieren nach und das Freilegen von Kampfmitteln handelt, stehen auch Experten von zahlreichen Kampfmittelräumfirmen zur Verfügung", so Vösterling. Wie viele davon unter anderem im Auftrag der Bundeswehr im Land tätig seien, sei nicht bekannt.