Grenoble - Mit neuem Videomaterial will die Staatsanwaltschaft in den kommenden Tagen den schrecklichen Skiunfall von Michael Schumacher aufklären.

Während sich der lebensgefährlich verletzte Formel-1-Rekordweltmeister auf der Intensivstation des Universitätskrankenhauses von Grenoble weiter in einem kritischen Zustand befand, kündigten die Ermittler für Mitte der Woche eine Pressekonferenz an. Das genaue Datum soll noch bekanntgegeben werden.

Weitere Erkenntnisse über den Unfallhergang sollen unter anderem die Bilder einer Helmkamera liefern, die Schumacher bei seinem Sturz getragen hatte. Schumachers Managerin Sabine Kehm machte am Samstag in einer Mitteilung deutlich, dass die Familie den Behörden die Helmkamera "freiwillig im Rahmen der Untersuchungen" übergeben habe. "Dass dies gegen den Willen der Familie geschehen ist, ist unwahr", betonte sie in dem Statement.

Daneben sollen angeblich auch zufällige Aufnahmen eines Amateurfilmers aufgetaucht sein. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete, dass ein 35 Jahre alter Flugbegleiter nur wenige Meter von der Unfallstelle entfernt mit einem Smartphone seine Freundin gefilmt habe. Im Hintergrund des Films sei leicht verwackelt zu sehen, wie ein Skifahrer in dem nicht präparierten Teil zwischen zwei Pisten über den Schnee gleitet und schließlich zu Fall kommt.

Nach Aussagen des möglichen Zeugen, der sich nach Angaben des Nachrichtenmagazins am Freitag beim "Spiegel" meldete, handelte es sich bei dem Skifahrer offenbar um Schumacher. Bestätigt wurde dies von offiziellen Seiten nicht.

Vor allem die Frage, wie schnell Schumacher unterwegs war, bevor er mit dem Kopf auf einen Felsen aufschlug, ist von großem Interesse. Der vermeintliche Zeuge soll gesagt haben, Schumacher sei "gemächlich gefahren". Der zuständige Staatsanwalt Patrick Quincy sagte der Nachrichtenagentur AP am Sonntag, dass die Ermittler eine Kopie des Videos anfordern wollen. Managerin Kehm hatte unter Hinweis auf Schilderungen von Schumachers Begleitern bei dem Skiausflug bereits berichtet, dass er nicht mit hoher Geschwindigkeit gefahren sei.

Bei der Unglücksstelle handelt es sich um einen Tiefschnee-Abschnitt zwischen zwei markierten Pisten. Staatsanwalt Quincy kündigte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP die Pressekonferenz an, in der man sich Mitte der Woche zum Unfallgeschehen äußern will.

Schumacher zog sich bei dem Sturz ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu. Er wurde in der Uniklinik in Grenoble seit dem 29. Dezember zweimal am Kopf operiert. Bei dem zweiten Eingriff wurde Schumacher am vergangenen Montag ein Bluterguss in der linken Hirnseite entfernt. Andere seien schwer zugänglicher, berichteten die Mediziner anschließend.

Nachdem am Wochenende Berichte über mögliche Veränderungen von Schumachers zustand kursiert waren, stellte seine Managerin in der Mitteilung am Samstag noch einmal unmissverständlich klar: "Wir betonen ausdrücklich, dass jegliche Information über seinen Gesundheitszustand, die nicht von den behandelnden Ärzten oder seinem Management stammt, nicht valide und reine Spekulation ist." Schumachers Zustand blieb kritisch, wenn auch stabil. Er liegt bereits seit einer Woche im künstlichen Koma.

Am Sonntag gab es zunächst keine weiteren Informationen. "Nach Absprache mit den behandelnden Ärzten ist mit einer weiteren Pressekonferenz vor Montag nicht zu rechnen", teilte Kehm mit. Zu Prognosen machten die Mediziner und auch die Managerin von Beginn an keine Angaben.

"Versuche ein einziges Mal nicht, die Zeit zu schlagen", schrieb Schumachers ehemaliger Formel-1-Rivale Mika Häkkinen in einem Brief an den Kerpener, den die "Bild am Sonntag" veröffentlichte. "Du musst keine Bestzeit in diesem Rennen aufstellen. Du musst Dir alle Zeit nehmen, die du brauchst", betonte der Finne.

Häkkinen selbst hatte nach einem schweren Rennunfall 1995 einige Tage im künstlichen Koma gelegen. Er hatte damals einen Schädelbasisbruch erlitten. "Wie Du weißt, hatte ich in der Vergangenheit selbst eine schlimme Kopfverletzung. Doch ich habe überlebt", schrieb Häkkinen in seinem Brief.

Dass die öffentliche Anteilnahme an Schumachers Schicksal so groß ist, begründete Häkkinen mit der anderen Seite, die die Menschen nun von dem einstigen Fahrer kennenlernen würden. Im Rennwagen müsse man hart sein. Schumacher sei aber ein sehr emotionaler, "sehr, sehr sensibler Mensch", sagte Häkkinen: "Darum habe ich auch immer so viel Respekt vor ihm gehabt und darum sind die Menschen jetzt so betroffen."