Paris - Mit überraschend klaren Aussagen hat FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke für neuen Zündstoff in der Dauerdebatte um die umstrittene Fußball-WM in Katar gesorgt. Zum ersten Mal soll eine Endrunde im Winter stattfinden.

Valcke posaunte den offensichtlichen Wunschtermin des Weltverbandes hinaus - wurde aber nur wenig später wieder zurückgepfiffen. Die Verbandszentrale in Zürich veröffentlichte prompt ein schriftliches Kommuniqué, Exekutiv-Mitglied Theo Zwanziger und Vize-Präsident Jim Boyce widersprachen vehement, und Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge reagierte in Trainingslager der Münchner in Doha "überrascht" auf das neuerliche öffentliche Vorpreschen des französischen FIFA-Generals.

Das Turnier im Wüstenstaat Katar werde nicht im Sommer 2022 stattfinden, sagte Valcke dem französischen Radiosender France Info und löste damit ein mittelschweres Diplomatie-Erdbeben aus. Es solle stattdessen "zwischen dem 15. November und spätestens dem 15. Januar" gespielt werden, sagte der Franzose - und ließ offen, ob dies in der Saison 2021/22 oder 2022/23 geschehen solle.

Kaum waren die erstaunlichen Worte in der Welt, verschickte die Presseabteilung des Weltverbandes eine fünfzeilige Stellungnahme, um die neuerlichen Äußerungen ihres immer wieder öffentlich unüberlegt parlierenden Generalsekretärs zu relativieren. Die Entscheidung über den genauen Zeitpunkt für die WM werde wie geplant erst nach der Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Brasilien getroffen. Außerdem obliege diese dem Exekutivkomitee. "Der Beratungsprozess wird nicht überstürzt und bekommt die notwendige Zeit, alle relevanten Elemente in Betracht zu ziehen", teilte die FIFA mit.

"Es gibt noch keinen formalen Beschluss, den Sommertermin aufzugeben, auch wenn die Tendenz klar scheint", sagte Zwanziger dem Internetportal Sport1.de. Allerdings betonte der frühere Chef des Deutschen Fußball-Bundes auch, dass wahrscheinlich erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaften ein Turnier im Winter gespielt werde. "Die WM wird in Katar wohl nicht im Sommer ausgetragen werden, deshalb läuft ein Anhörverfahren, ob ein anderer Termin gefunden werden kann", sagte Zwanziger. Boyce zeigte sich "schockiert" und sagte: "Stand jetzt bleibt das Turnier im Sommer."

Mit ihrer WM-Vergabe an das kleine Emirat, in dem im Sommer Temperaturen bis zu 50 Grad herrschen, hatte sich die Exekutive selbst in ein Termin-Dilemma manövriert. FIFA-Präsident Joseph Blatter möchte in jedem Fall eine Kollision mit den Olympischen Winterspielen im Februar 2022 vermeiden.

In den Wintermonaten sei das Wetter mit Temperaturen um die 25 Grad in dem Wüstenstaat am erträglichsten, sagte Valcke nun. "Das wird nicht Juni/Juli sein. Offen gesagt, ich denke, es wird zwischen dem 15. November und spätestens dem 15. Januar gespielt werden. Wenn sie zwischen dem 15. November und Ende Dezember spielen, dann ist das der Zeitraum, in dem die Wetterverhältnisse am besten sind", sagte er. "Da spielen sie mit Temperaturen, die denen eines etwas wärmeren Frühlings in Europa entsprechen. Sie spielen mit einer Durchschnittstemperatur von 25 Grad. Das ist perfekt, um Fußball zu spielen." Möglicherweise präsentierte der Franzose in seiner forschen Art die Wunschlösung des Verbandes und seines Chefs - und düpierte damit die handelnden Personen der Exekutive.

Anfang Oktober hatte die FIFA extra eine Task Force gegründet, die bis Ende 2014/Anfang 2015 den geeigneten Termin finden und bei ihrem Entscheidungsprozess die Meinung von Spielern, Vereinen, Ligen, Verbänden, Sponsoren und Medien einbeziehen sollte.

Als Präsident der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) sei er "überrascht über die Aussagen des Generalsekretärs des Weltverbandes", sagte Rummenigge im Trainingslager des FC Bayern München in Doha der Nachrichtenagentur dpa.

Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters verwies dagegen auf ein persönliches Gespräch, das er im vergangenen Monat bei der Club-WM in Marokko mit FIFA-Chef Blatter geführt habe: "Sepp Blatter hat mir persönlich in Marrakesch mitgeteilt, dass man 2014 einen Konsultationsprozess führt und erst dann eine Entscheidung von der FIFA-Exekutive getroffen werden soll", sagte Rummenigge.