Zürich - Noch nicht geduscht, aber immerhin frisch gescheitelt standen Franck Ribéry und Philipp Lahm auf dem Podium in Marrakesch. Mit Trophäen aus Gold und Silber wurden die Bayern-Profis kürzlich als beste Akteure der FIFA-Club-WM gekürt.

Ob diese Pokale einen Ehrenplatz in den Vitrinen im Hause Lahm oder Ribéry bekommen haben, ist nicht bekannt. Besonders euphorisiert wirkten die Profis über die persönlichen Auszeichnungen aber nicht. Auch Siegerehrungen können zur Routine werden. Gerade wenn es um die immens gestiegene Zahl von sogenannten "Best Player Awards" geht, die mittlerweile fast jeder Veranstaltung folgen und offenkundig primär dazu dienen, einen Sponsor mit prominenten Gesichtern ins Bild zu rücken.

Die Inflation persönlicher Auszeichnungen, ob nach Turnieren oder zum Jahreswechsel, macht es mittlerweile schwer, den Überblick zu bewahren. Bester Torwart, bester Feldspieler, bester Torschütze, bester Newcomer... Immer häufiger fragt sich der Fan: Wer wählt da eigentlich wen und warum? Von dieser Kritik blieb auch die Mutter aller Ehrungen - die FIFA-Gala zum Weltfußballer des Jahres - nicht verschont. Schon lange bevor Franck Ribéry, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi am Montagabend in Zürich zur Entscheidung um den Goldenen Ball über den Roten Teppich schreiten sollen, brandete Kritik auf.

Angeblich wegen zu wenig abgegebener Stimmen wurde die Wahlperiode mitten im laufenden Wettbewerb im Spätherbst 2013 ausgedehnt - eine Entscheidung, die besonders Ronaldo begünstigte, der in der Wahl-Verlängerung Portugal gegen Schweden eindrucksvoll zur WM schoss. Bayern-Manager Uli Hoeneß sah seinen Schützling Ribéry im Nachteil, witterte Schiebung und sprach prophylaktisch von einer "Riesensauerei", sollte Bayerns Franzose leer ausgehen.

Das Wahlsystem für den Ballon d\'Or steht schon lange in der Kritik, auch wenn es mit dem Stimmrecht für alle Nationaltrainer und Kapitäne der FIFA-Welt demokratischen Anstrich hat. Für die Endrunde nominiert werden seit Jahren die Gleichen - entscheidend scheint eher weltweiter Bekanntheitsgrad denn tatsächliche Jahresleistung. Das Gegenargument: Vier Jahre nacheinander siegte in Lionel Messi der unantastbare Ausnahmekönner des Weltfußballs.

Die Wahl des Besten ist für die Verbände auch eine Frage des Renommees. Jahrelang störte es die FIFA, dass Europas Fußballer des Jahres mit dem symbolträchtigen Ballon d\'Or ausgezeichnet wurde. 2010 gelang es, die Zeitung "France Football" als Initiator der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres loszueisen. Der europäische Kontinentalverband UEFA reagierte trotzig mit einer eigenen Auszeichnung, bei der nun 54 Journalisten aus den Mitgliedsverbänden im August abstimmen dürfen, Monate bevor die FIFA ihre Finalkandidaten benennt.

Auch die Wahl von Bastian Schweinsteiger zu Deutschlands Fußballer des Jahres 2013 stand kurzzeitig in der Kritik, da eine Panne bei der Verteilung der Stimmzettel zu einer geringen Wahlbeteiligung führte. Immerhin gab es an der Fachkompetenz der Juroren aus dem Kreise deutscher Sportjournalisten keine Zweifel.

Wie viele Stimmberechtigte oder wie viel Fachkompetenz nötig ist, um eine Wahl legitim zu machen, bleibt Ansichtssache. Jedes Jahr vergibt zum Beispiel die International Federation of Football History & Statistics (IFFHS) Titel für die vermeintlich Besten der Zunft. Wie zuletzt bei der Wahl von Manuel Neuer zum Welttorwart 2013 erregt die einst vom deutschen Alfredo Pöge gegründete Vereinigung auch für sich selbst damit trotz geringer Transparenz große Aufmerksamkeit - bis hinein in deutsche TV-Nachrichten.

70 Experten aus aller Welt und das eigene Personal dürften abstimmen, erklärte die IFFHS, freilich ohne zu sagen, wer diese Experten überhaupt sind. Torwart Neuer nahm die Ehrung im Trainingslager des FC Bayern überrascht, brav und selbstverständlich erfreut zur Kenntnis, frisch geduscht und gut gescheitelt.