Wisla - Andreas Wellinger tanzte jubelnd durch den Auslauf und schrie die Freude über den ersten Weltcupsieg seiner Karriere mit einem langgezogenen "Jaaaaa" in den Nachthimmel von Wisla heraus.

Mit seinem Triumph bescherte der 18-Jährige den deutschen Skispringern gut drei Wochen vor den Olympischen Winterspielen das herbeigesehnte Erfolgserlebnis und katapultierte sich in den erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. "Das ist ein fantastisches Erlebnis. Mein erster Weltcupsieg: Einfach unbeschreiblich, unglaublich", beschrieb Wellinger seine Gefühle.

Auch Bundestrainer Werner Schuster war aus dem Häuschen. "Das ist toll und ein sehr bewegender Moment für den jungen Burschen. Er ist sehr gut gesprungen", lobte Schuster, der selbst eine große Aktie am Erfolg des Youngsters hatte. Im ersten Durchgang pokerte der Coach mit einer Anlaufverkürzung hoch - und gewann. "Das war eine extrem schwere Entscheidung, weil sich die Windverhältnisse unheimlich schnell verändert haben. Es war grenzgängig, aber wir haben alles richtig gemacht", sagte Schuster.

Als Wellinger schon auf dem Balken saß, schaltete die Ampel plötzlich noch einmal auf Rot. "Da habe ich zunächst gedacht, der Wind ist zu gut oder zu schlecht", berichtete er. Erst später dämmerte es ihm, dass die Anlaufverkürzung auf das Konto von Schuster ging. Mit 127 Metern erreichte Wellinger exakt die nötige Weite, um die Bonuspunkte zu kassieren. Dies brachte ihn zur Halbzeit auf Rang drei und damit in eine hervorragende Ausgangsposition, die er im Finale mit einem sauberen Sprung auf 128,5 Meter eiskalt nutzte.

Am Ende lag Wellinger um 0,9 Punkte vor Weltmeister Kamil Stoch aus Polen. Dritter wurde der Österreicher Michael Hayböck. "Es ist der Wahnsinn. Ich muss das erst einmal sacken lassen", frohlockte der strahlende Sieger und kündigte eine kleine Party an: "Das muss man schon ein wenig feiern."

Wellingers Sieg überstrahlte die Probleme der anderen DSV-Adler. Severin Freund stürzte zunächst im Training, dann verpatzte er seinen ersten Versuch. "Er war durch das Missgeschick nicht gehemmt, sondern hat einen Absprungfehler gemacht", analysierte Schuster und forderte: "Er muss geduldig bleiben." Am Ende blieb mit 122,5 und 133 Metern immerhin Rang 13 für Freund.

Noch schlechter erging es Richard Freitag. Der 22 Jahre alte Sachse belegte mit Sprüngen auf 129 und 119,5 Meter nur den 19. Rang, was Schuster mit nachdenklicher Miene zur Kenntnis nahm. Auch Marinus Kraus stürzte als 29. ab. Im Kampf um das letzte freie Olympia-Ticket konnten weder Andreas Wank auf Rang 27 noch Michael Neumayer als 25. richtig punkten. Nach dem Weltcup am Sonntag in Zakopane vergibt Schuster den letzten Platz im Olympia-Team.