München - Fünf Monate vor dem Ernstfall in Brasilien gegen Portugal mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat Joachim Löw seine heißesten Kandidaten für die WM-Mission benannt.

26 Akteure hat der Bundestrainer zu den Marketingtagen der Nationalmannschaft nach München eingeladen. Zu diesem Kreis kommt noch das Arsenal-Trio Mesut Özil, Per Mertesacker und Lukas Podolski, das wegen Verpflichtungen für den Verein nicht aus London anreisen kann.

Mit dabei sind dafür auch Sami Khedira, der allerdings nach einem Kreuzbandriss vor zwei Monaten um seine WM-Teilnahme bangen muss, und der ebenfalls seit Monaten wegen einer Knieverletzung pausierende Stürmer Mario Gomez. Die Zusammenkunft für Werbeaufnahmen sei "so etwas wie der Aufgalopp ins WM-Jahr", erklärte Löw auf der DFB-Homepage: "Für uns gibt es derzeit nichts Größeres als eine WM in Brasilien. Wir alle können kaum erwarten, dass es endlich losgeht."

Die Liste der Spieler vermittelt deutliche Fingerzeige für die personelle Zusammensetzung des 23-köpfigen WM-Kaders in Brasilien, den Löw bis zum Meldeschluss am 2. Juni dem Weltverband FIFA übermitteln muss. Das Gros stellen erwartungsgemäß der FC Bayern (7 Akteure) und Borussia Dortmund (6). Der Gladbacher Angreifer Max Kruse und der Leverkusener Flügelspieler Sidney Sam sind dabei. Dafür fehlen trotz starker Hinrunde der Dortmunder Kevin Großkreutz und erwartungsgemäß auch der Leverkusener Torjäger Stefan Kießling.

"Ich habe ihm gesagt, dass ich auf der Mittelstürmerposition eher auf Miroslav Klose und Mario Gomez zähle", begründete Löw diese erwartete Entscheidung noch einmal im "Süddeutsche Zeitung Magazin", in dem der 53-Jährige auf 45 Promi-Fragen antwortete. "Aber sollte sich jemand verletzen oder in ein Formtief geraten, bin ich bereit, meinen Plan komplett zu überdenken", ergänzte Löw.

Abwehrspieler Holger Badstuber vom FC Bayern hat Löw nach zwei Kreuzbandrissen und einem noch nicht absehbaren Comeback-Termin aktuell nicht auf seinem WM-Zettel. Interessant ist die Auswahl der Torhüter. Neben Manuel Neuer, der unumstrittenen Nummer 1, sind zu den Werbeaufnahmen auch der derzeit verletzte René Adler (HSV), der Dortmunder Routinier Roman Weidenfeller sowie Ron-Robert Zieler von Hannover 96 geladen. Aber nicht die aufstrebenden Jungstars Marc-André ter Stegen (Gladbach) oder Bernd Leno (Leverkusen).

Die Einladung nach München ist bedeutend, denn schließlich werden dort Spots für Sponsoren gedreht, die vor und während des Turniers im Sommer ausgestrahlt werden. "Mir ist es extrem wichtig, die Spieler nach längerer Pause wieder persönlich zu treffen und zu sprechen", erklärte Löw. Von einer Einstimmung auf die WM spricht Teammanager Oliver Bierhoff. Neben dem WM-Zeitplan werde den Spielern auch das ausgewählte WM-Quartier im Atlantik-Örtchen Santo André vorgestellt. "Wir werden den Spielern aber auch ganz klar sagen, was wir von ihnen in den kommenden Wochen und Monaten hinsichtlich der weiteren Vorbereitung auf das Turnier erwarten", sagte Bierhoff deutlich.

Im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" gab Löw auf 45 Fragen interessante Einblicke in sein Leben sowie Ansichten zu Themen auch über den Fußball hinaus. "Als ich erfuhr, dass sich unser Torwart Robert Enke selbst getötet hatte, lag ich in der Nacht wach und habe geweint", antwortete Löw etwa auf die Frage, ob er schon einmal um einen Spieler geweint habe. Sportlich streicht Löw heraus, dass er die Titelsehnsucht in Deutschland verstehen kann. "Titel sind das Wichtigste für einen Trainer wie für die Fans. Nur Titel verschaffen vollkommene Zufriedenheit", sagt er vor dem Aufgalopp ins WM-Jahr.