Wolfsburg - Mit dem zweiten Königstransfer innerhalb von sechs Monaten hat der VfL Wolfsburg ein starkes Signal an die Bundesliga-Konkurrenz geschickt. Der deutsche Ex-Meister machte am Wochenende den knapp 20 Millionen Euro teuren Wechsel von Kevin de Bruyne endgültig perfekt.

Nach dem ersten Training mit seinen neuen Kollegen brannte der 22 Jahre alte Belgier, der zuletzt beim FC Chelsea von José Mourinho kaum eingesetzt worden war, bei seiner Vorstellung auf ein schnelles Bundesliga-Comeback.

"Ich habe sechs Monate ohne Winterpause trainiert. Ich bin physisch fit und kann viel laufen", erklärte de Bruyne mit Blick auf den Wolfsburger Rückrundenstart gegen Hannover 96 am nächsten Samstag. Der offensive Mittelfeldspieler, der vergangene Saison auf Leihbasis für Werder Bremen in der höchsten deutschen Liga gespielt hatte, beantwortete alle Fragen in englischer Sprache. "Da fühle ich mich sicherer. Ich weiß, wie Journalisten arbeiten", erklärte der von zahlreichen Kamerateams und Fotografen umlagerte Profi.

Seine zurückhaltende Art täuscht. Der Belgier ist auf dem Rasen selbstbewusst und schnell, mehrere Spitzenclubs aus dem In- und Ausland wollten ihn haben. Den Zuschlag erhielt wie bei Luiz Gustavo vor einem halben Jahr der finanzstarke VW-Club aus Wolfsburg. Die Ablösesumme, über deren Höhe offiziell geschwiegen wird, dürfte fast identisch sein. "Wir haben auf die Situation reagiert. Wenn man Spieler wie Luiz Gustavo oder Kevin de Bruyne zu interessanten Konditionen kriegen kann, dann sollte man zuschlagen", sagte VfL-Manager Klaus Allofs.

"Wir wollten ihn schon im Sommer holen und sind hartnäckig geblieben. Das war eine Klasse-Aktion von Klaus. Wir sollten jetzt aber nicht alles an Kevin festmachen", erklärte Trainer Dieter Hecking. "Dieser Transfer ist der nächste kleine Schritt in die richtige Richtung. Mit Kevin werden wir unsere Qualität steigern", ergänzte Allofs.

Er kennt de Bruyne aus gemeinsamen Zeiten in Bremen. Dort rettete der Offensivspieler in der vergangenen Saison den SV Werder mit zehn Toren vor dem Abstieg. Jetzt kommt er beim Tabellenfünften in eine intakte Mannschaft, er unterschrieb bis 2019. "Über diesen Vertrag bin ich sehr froh. Nach vier Clubs in zweieinhalb Jahren wollte ich nicht mehr Leihspieler sein. Das Projekt Wolfsburg hat mich überzeugt. Der Europapokal ist auch mein Ziel", sagte de Bruyne.

Die Liga-Schwergewichte wie Bayern, Dortmund oder Leverkusen beobachten das clevere Wolfsburger Personalpuzzle, zu dem auch der Transfer des Südkoreaners Ja-Cheol Koo nach Mainz 05 gehört, mit großem Interesse. "Dass Wolfsburg eine richtige Macht werden kann, ist allen klar", hatte unter der Woche BVB-Trainer Jürgen Klopp bei Sky erklärte: "Wenn VW richtig die Dose öffnet, wird es für alle anderen ungemütlich."

Mittelfristig dürfte die Rückkehr in die Champions League ein realistisches Ziel für den Werksclub sein. "Unsere Wahrnehmung bei anderen Clubs kennen wir, aber wir lassen uns nicht treiben", sagte Hecking. Mutig schickte er eine Kampfansage hinterher: "Wir haben natürlich etwas vor, wir wollen den Mannschaften vor uns auf den Pelz rücken. Wenn wir den Weg weitergehen, werden wir gefährlich für die Mannschaften vor uns."

Für de Bruyne hatte die WM im Sommer in Brasilien angeblich nichts mit dem Wechsel in die Bundesliga zu tun. Das wollte dem jungen Mann aber so recht keiner abkaufen. Ob er nach wenigen Trainingseinheiten bereits am Samstag gegen Hannover 96 auf dem Platz steht, ist offen. "Er muss unsere Spielweise verinnerlichen. Das dürfte kein Problem sein. Alles ist möglich, auch dass er von Beginn an spielt", sagte Hecking.