Düsseldorf - Die Fußball-Bundesliga legt auf dem Winter-Transfermarkt bisher ungewohnte Zurückhaltung an den Tag. Ausnahmen bilden knapp zwei Wochen vor dem Ende der Wechselfrist am 31. Januar nur der VfL Wolfsburg, der FSV Mainz 05 und der FC Augsburg.

Im Kader des Trios, das bislang je drei Neuzugänge präsentierte, ging es vor dem Rückrundenstart am Wochenende etwas lebhafter zu als bei den anderen 15 Erstligisten. Wie die Nachrichtenagentur dpa ermittelte, verpflichteten die 18 Clubs bisher nur 25 Spieler. 19 Abgänge sind zu verzeichnen. Große Ablösesummen wurden nur in Wolfsburg und in Mainz bewegt.

Mit der Verpflichtung des europaweit begehrten belgischen Nationalspielers Kevin De Bruyne bis 2019 setzten die "Wölfe" ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz. Während sich andere Interessenten wie Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen oder Schalke von der hohen Ablöse abschrecken ließen, machte VfL-Manager Klaus Allofs dank des finanzkräftigen Hauptsponsors VW den rund 20 Millionen Euro teuren Deal mit dem FC Chelsea perfekt.

De Bruyne, den Allofs bereits in seiner Bremer Zeit von Chelsea ausgeliehen hatte, kann sich nun in Wolfsburg Spielpraxis für die WM im Sommer in Brasilien verschaffen. Allofs freut sich diebisch über den Coup mit dem Mittelfeld-Supertalent. "Ich verstehe die Enttäuschung bei anderen Vereinen über den Transfer", sagte der Manager. Die Höhe der kolportierten und wohl erfolgsabhängigen Ablöse bestätigte Allofs nicht, meinte nur allgemein: "Es wird bei den Transfersummen mit Fantasiezahlen gearbeitet. Bei den Zugängen sind sie immer zu hoch, bei den Abgängen sind die Zahlen zu niedrig."

Immerhin nahm der VfL mit dem Verkauf des Südkoreaners Ja-Cheol Koo nach Mainz wieder rund fünf Millionen Euro ein. "Wir haben uns sehr intensiv um ihn bemüht, weil wir in ihm die ideale Verstärkung für unseren Kader sehen", sagte FSV-Manager Christian Heidel über den teuersten Zugang der Clubgeschichte. Neben Koo leisteten sich die Rheinpfälzer noch den Bulgaren Todor Nedelew für geschätzte drei Millionen Euro sowie den ablösefreien Dario Kresik.

Deutlich zu erkennen ist, dass der Trend zu Leihgeschäften anhält. Gut die Hälfte aller Spieler wechseln für eine begrenzte Zeit zu einem meist moderaten Preis. Auch bei Jan Kirchhoff, der von Schalke 04 vom Bundesliga-Primus Bayern München für eineinhalb Jahre ausgeliehen wurde, schien der Transfer für alle Seiten Sinn zu machen. Schalke reagierte kurzfristig auf die schweren Verletzungen der beiden "Sechser" Dennis Aogo und Marco Höger, Bayern-Reservist Kirchhoff suchte Spielpraxis, und die Münchner hofften darauf, dass das Abwehrtalent sich auf Schalke weiterentwickelt und gegebenenfalls 2015 stärker zurückkehrt.

"Ich bin mehrmals im Leben Schritte zurückgegangen", betonte Bayerns Vorstand Matthias Sammer zu dem nachvollziehbaren Geschäft, von dem aber Kirchhoff und sein neuer Club zunächst nicht viel haben. Denn der Profi zog sich schon im zweiten Schalke-Training in Katar einen Syndesmoseriss zu und fällt lange aus. So muss Jens Keller zum Auftakt beim Hamburger SV am Sonntag erneut improvisieren. Es scheint sogar möglich, dass der schon aussortierte Jermaine Jones noch bis Sommer bleibt. Einen neuen Club hat der US-Nationalspieler offenbar noch nicht gefunden.

Die meisten Bundesliga-Clubs scheinen zufrieden mit ihren Kadern, nachgebessert wird mit Augenmaß und punktuell. So lieh sich Hannover 96 den beim HSV nur sporadisch eingesetzten Stürmer Artjoms Rudnevs aus. Die Hanseaten wiederum wollen ihre Angriffsprobleme mit dem neuen Hoffnungsträger Ola John (Benfica Lissabon) lösen. Borussia Dortmund hat keinen Wintertransfer vorgesehen, will erst im Sommer zuschlagen: Denn bis dahin muss ein Ersatz für den nach München abwandernden Stürmerstar Robert Lewandowski gefunden werden.