Frankfurt/Main - Unter den Kronleuchtern des Palais von Thurn und Taxis feierte sich die Bundesliga-Prominenz bei Kürbissuppe und Buntbarsch mit Kräuterhaube: Rekordumsatz zum neunten Mal in Serie, zum ersten Mal vier Clubs im Februar noch in der Champions League und Dauer-Lob aus aller Welt.

Der deutsche Profi-Fußball ist schon zum Auftakt des WM-Jahres in Partylaune. "Ein Blick zurück auf 2013 zeigt, dass die Bundesliga zurück ist in der Spitze Europas", sagte Geschäftsführer Christian Seifert beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Dienstag in Frankfurt. "Ob nun auf Platz eins, zwei oder drei spielt für uns keine Rolle". Kein neidischer Blick "mit großen Augen" gehe mehr nach Spanien oder England.

Drei Tage vor dem Rückrundenauftakt mit dem Klassiker zwischen Borussia Mönchengladbach und dem Titelverteidiger FC Bayern München zelebrierten Fußball-Honoratioren wie Franz Beckenbauer, Rudi Völler, Günter Netzer oder Toni Schumacher mit Vertretern aus den 36 Profi-Clubs den "Anstoss 2014".

Ligapräsident Reinhard Rauball wollte dabei aber auch Konfliktthemen nicht aussparen. Eindringlich forderte er Politik und Justiz auf, mit größtmöglicher Härte gegen Fußball-Gewalttäter vorzugehen. "Ich will nicht die Fan-Szene bestrafen. Ich will, dass gegen die, die den Fußball missbrauchen, die Gesetze ausgeschöpft werden. Wenn das nicht reicht, muss über die Gesetze nachgedacht werden", sagte Rauball.

Auch Seifert betonte nach den Ausschreitungen am Samstag in der Kölner Innenstadt, dass die Fan-Problematik die Clubs wohl begleiten werde. "Ein Thema, dem wir uns stellen müssen, bleibt die Sicherheit in und um die Fußballstadien. DFB und DFL haben versucht und werden weiter versuchen, die Fußballkultur in Deutschland zu fördern", versprach Seifert. Auch radikale Maßnahmen wie einen diskutierten Ausschluss von Schalker Gästefans beim Revierderby in Dortmund hält Seifert für eine Option. "Ich habe der Presse entnommen, dass die beiden Vereine im Gespräch sind. Ich glaube, alle Maßnahmen sind zu unterstützen, die die Sicherheit erhöhen."

Kritisch bewerteten die Liga-Funktionäre die mediale Resonanz auf das Coming Out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. "Ich war nicht glücklich über die meiner Meinung nach ausufernde Berichterstattung zu diesem Thema, das nichs anderes betrifft als eine natürliche Sache, die sexuelle Orientierung eines Menschen", sagte Rauball. Seifert betonte, dass die intensive Berichterstattung einem "entspannten Umgang" mit dem Thema eher abträglich gewesen sei. Er befürchte, dass der erste aktive Fußball-Profi, der sich öffentlich bekennt, zu "einer Ikone" der Schwulenbewegung werde und "nie mehr einfach nur Fußballer sein darf".

Im blassrot gedämpften Licht des Festsaals gab es sonst kein Wehklagen - dafür reichlich Schulterklopfen. Und finanzielles Frohlocken: Schon in der kommenden Woche wird die Liga wieder einen Rekordumsatz vermelden, verriet Seifert. Bereits in der Spielzeit 2011/12 hatte die Eliteklasse einen Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro (2,08) und damit eine Steigerung von 7,2 Prozent verzeichnet. Auch diesmal wird diese Marke getoppt. Seifert verwies auf den Quantensprung im Profigeschäft: "Die Clubs haben eine Milliarde mehr zur Verfügung als vor zehn Jahren."

Beim Blick nach vorne blieb nur die WM-Frage ungeklärt. "Immer wenn ich irgendwie in meinem Leben geträumt habe, bin ich wieder wach geworden", sagte Rauball launig über die deutschen Titelchancen in Brasilien. Seifert gab den Gala-Gästen Oliver Bierhoff und Löw-Assistent Hansi Flick die Erwartung der Proficlubs mit auf den Weg. "Es wäre naiv zu sagen, wir werden Weltmeister, nicht naiv ist zu sagen, wir wollen diesen Titel unbedingt. Die Liga hat ihr Bestes gegeben."