Barcelona - Der Präsident des FC Barcelona, Sandro Rosell, hat aufgrund des Wirbels um den Neymar-Transfer seinen Rücktritt erklärt. Sein Amtsverzicht sei unwiderruflich, sagte der Clubchef des spanischen Fußballmeisters.

Seine Nachfolge habe mit sofortiger Wirkung der bisherige Vizepräsident Josep Maria Bartomeu angetreten. Bartomeu, der als stellvertretender Clubchef für den sportlichen Bereich zuständig war, werde bis zum Ende des Mandats der jetzigen Vereinsführung 2016 die Geschicke von Barça leiten.

Rosell zog damit die Konsequenzen aus der Affäre um die Verpflichtung des brasilianischen Stars Neymar im vorigen Sommer. Ein Madrider Ermittlungsrichter hatte das Klagegesuch eines Barça-Mitglieds zugelassen und Ermittlungen gegen Rosell eingeleitet. Nach Ansicht des Juristen besteht der Verdacht, dass beim Transfer Neymars vom FC Santos mehr Geld geflossen sein könnte als offiziell angegeben. Rosell hatte dies stets bestritten.

"Die Verpflichtung war korrekt", sagte er. "Ich will mit meinem Rücktritt verhindern, dass das Ansehen des Vereins durch ungerechtfertigte Angriffe geschädigt wird." Rosell hatte den Vereinsvorstand am Abend zu einer Sondersitzung zusammengerufen, um die Mitglieder von seinem Rücktritt zu informieren. Der Nachfolger Bartomeu betonte, der Vorstand habe die Entscheidung bedauert. Er werde als Clubchef die Linie von Rosell fortsetzen.

Das Klagegesuch hatte sich allein gegen Rosell, nicht aber gegen den Verein gerichtet. Der Kläger hatte dies damit begründet, dass er dem Club keinen Schaden zufügen wolle. Rosell hatte wiederholt betont, dass Barça der Neymar-Transfer vom FC Santos 57,1 Millionen Euro gekostet habe und dass dabei gegen keine Gesetze verstoßen worden sei. Bei seinem Rücktritt dürfte eine Rolle gespielt haben, dass die Zulassung der Klage wohl nur der Beginn eines langen Rechtsstreits sein dürfte. Rosell wollte verhindern, dass der Verein damit in Verbindung gebracht wird.

Er war 2010 mit großer Mehrheit zum Barça-Präsidenten gewählt worden. Die Fußballer konnten unter seiner Präsidentschaft an die Erfolge anknüpfen, die sie unter dem Vorgänger Joan Laporta erzielt hatten. Allerdings wurde Rosell nachgesagt, dass seine Beziehungen zum damaligen Erfolgstrainer Pep Guardiola - jetzt bei Bayern München - nicht spannungsfrei gewesen seien. Zudem überwarf er sich mit Johan Cruyff, der grauen Eminenz bei den Katalanen. Er entzog dem Niederländer das Amt des Ehrenpräsidenten und begründete dies damit, dass ein solcher Posten in den Satzungen nicht vorgesehen sei.