Woking - Der neue Wagen ist da, und alles deutet auch auf einen neuen Teamchef bei McLaren für die Formel-1-Jagd auf Sebastian Vettel hin. Der eigentliche Rennstall-Boss Martin Whitmarsh wurde in der ausführlichen Pressemitteilung zur Vorstellung des neuen Rennautos nicht einmal zitiert.

Keine Silbe von ihm oder über ihn. "Wir werden heute nicht über die Identität unseres Teamchefs reden", erklärte ein Sprecher via Mail der Nachrichtenagentur dpa. Der potenzielle Nachfolger stünde aber schon bereit: Unmittelbar vor der McLaren-Präsentation hatte Rivale Lotus den Weggang von Teamchef Eric Boullier bekanntgegeben.

Whitmarshs Zeit bei McLaren scheint abgelaufen. Schon in weiteren Mitteilungen am Vortag hatte das Team den Briten nicht mehr zu Wort kommen lassen. Vor gut einer Woche war er als Geschäftsführer von McLaren abgelöst worden. Den Posten hat Ron Dennis inne, bis 2009 war er auch Teamchef. Danach hatte Whitmarsh übernommen. Die Erfolge blieben aus, seit 2008 wartet McLaren auf den nächsten Fahrertitel. Im vergangenen Jahr konnte das Team nicht mal aufs Podest fahren.

"Natürlich wollen wir wieder nach vorn kommen", sagte Jenson Button. Der Weltmeister von 2009 (BrawnGP) wird in diesem Jahr mit dem dänischen Neuling Kevin Magnussen das Fahrerduo bilden. "Wir wollen auch eine bessere Saison erleben als 2013", betonte Button. "Wir haben kein Geheimnis aus unserer Enttäuschung gemacht, wie die Saison 2013 gelaufen ist", meinte Sportdirektor Sam Michael: "Das Ziel ist nun wieder zu gewinnen, dafür existiert McLaren."

Michael durfte sich ebenso wie Managing-Direktor Jonathan Neale zu den Aussichten und Herausforderungen in der Pressemitteilung äußern - ihr bisheriger und eigentlicher Chef Whitmarsh nicht. "auto-motor-und-sport.de" berichtete bereits, dass Whitmarsh abgesetzt wurde - vier Tage vor dem Testauftakt im südspanischen Jerez de la Frontera.

Dort könnte womöglich Boullier in einem für ihn neuen Teamdress auftauchen. Seinen Posten bei Lotus - in der vergangenen Saison WM-Vierter vor McLaren - übernimmt nun auch noch Miteigentümer Gérard Lopez. "Wir danken Eric für seine harte Arbeit in den vergangenen vier Jahren, und wir sind zuversichtlich, dass wir als eines der Top-Teams in der Formel 1 weiterkämpfen können", sagte Lopez in einer Pressemitteilung. Pikanterweise postete Lotus dann auch noch zeitgleich mit McLaren ein Bild seines neuen Rennwagens, obwohl dieser in Jerez noch nicht zum Einsatz kommen wird.

Im Gegensatz zu McLaren und auch Williams entschied sich Lotus nicht für eine rüsselartige Nase, die vorne schmal zusammenläuft und über den Frontflügel hinausragt. Vielmehr entwarfen die Designer in Enstone eine Variante mit einem Schlitz in der Nase, die Front wirkt dadurch fast gabelartig.

Die neuen Fahrzeugspitzen müssen allesamt tiefer liegen als im Vorjahr. Erlaubt ist eine Maximalhöhe von 18,5 Zentimetern - 2013 waren es 55 Zentimeter. Die bisher bekanntgewordenen Modelle sorgten wegen der gewöhnungsbedürften Optik bereits für reichlich Unmut.

Mit Spannung erwartet wird das neue Modell von Ferrari. Einen Namen hat es schon: F14T heißt das Auto, mit dem Fernando Alonso und Kimi Räikkönen Red Bull und Vierfach-Weltmeister Vettel einheizen wollen. Der Name durfte bei einer Online-Wahl von Fans bestimmt werden.

Vorgestellt, ebenfalls via Internet, wird der F14T am 25. Januar. Am folgenden Tag folgt Sauber mit dem deutschen Neuzugang Adrian Sutil. Vettel und Red Bull präsentieren ihren Wagen dann am 28. Januar in Jerez, ebenso wie MercedesAMG kurz vor dem Start in die viertägigen Tests. Bis dahin dürfte klar sein, wer der Teamchef von McLaren ist.