Magdeburg - Die DDR-Geschichte sollte aus Sicht von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) an Sachsen-Anhalts Schulen intensiv zum Thema gemacht werden. Es sollten Zeitzeugen eingeladen werden, die sowohl über den normalen Alltag in der DDR wie auch über Repressalien berichten, sagte Dorgerloh am Donnerstag MDR Sachsen-Anhalt. Er reagierte damit auf ein kürzlich bekanntgewordenes Zeitzeugengespräch in Stendal. Dort hatte der Autor Roman Grafe in einer Schule über Repressalien berichtet. In einem Beitrag in der Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb Grafe, eine Lehrerin habe ihm anschließend vorgeworfen, die DDR schlecht zu machen. Es sei der Satz gefallen: "Wenn man sich in Diktaturen an die Regeln hält, passiert einem nichts."

Laut Dorgerloh soll das Zeitzeugengespräch direkt an der Schule vom Landesschulamt aufgearbeitet werden. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Sachsen-Anhalt, Thomas Lippmann, teilte mit: "Der Blick auf die eigene Geschichte ist nie objektiv, er ist immer geprägt von den eigenen Lebensumständen." Das gelte für Grafe ebenso wie für jeden anderen der 16 Millionen damaligen Bürger der DDR. "Der Blick zurück auf die DDR und die Zeit der Wende ist ebenso vielfältig, wie es das Leben in der DDR selbst auch war." Darüber müsse informiert, diskutiert und auch gestritten werden.