Kranjska Gora - An die Bezeichnung Olympiasiegerin hat sich Viktoria Rebensburg vier Jahre nach ihrem Sieg in Kanada längst gewöhnt. Eine Routine bei Olympischen Spielen aber gibt es nicht.

Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erzählt die beste Riesenslalom-Fahrerin Deutschlands von ihren Erinnerungen an die Tage in Whistler und nennt die Favoriten für Sotschi.

Als Sie vor vier Jahren Olympiasiegerin wurden, sahen ihre Eltern die Goldfahrt nicht, weil sie schon im Flieger saßen. Für Sotschi haben Sie hoffentlich eine andere Reiseplanung

Viktoria
Rebensburg
: Das ist dieses Mal kein Problem. Sie kommen gar nicht, sondern haben sich entschlossen alles von zu Hause aus zu verfolgen.


Dann verpassen sie ja womöglich auch den zweiten Olympiasieg!

Rebensburg: (Lacht) Da hätte ich nichts dagegen.


Wie oft denken Sie noch an den ersten Sieg 2010?

Rebensburg: Jetzt wieder oft, weil ich oft gefragt werde. Da werden die Erinnerungen wieder wach.


An irgendwas Spezielles?

Rebensburg: An den gesamten Ablauf, die Umstände, die Verschiebung - das war alles ziemlich aufregend, aber auch ein unglaublich schönes Gefühl, als ich gewonnen habe. In dem Moment habe ich gar nicht realisiert, was passiert ist. Es war einfach schön, das erste Mal ein Rennen gewonnen zu haben. Ich hatte ja keinen Vergleich zu einem Sieg im Weltcup und dachte, aha, so läuft das dann also, wenn man gewinnt. Aber es war natürlich was ganz besonderes.


Große Siege, heißt es, muss man erst mal verarbeiten. Wie lange haben Sie gebraucht, um den Olympiasieg zu verstehen?

Rebensburg: Das ist ein Prozess. Es gibt immer wieder Situationen, da denkt man, jetzt hat man es realisiert. Dann aber auch wieder gar nicht. Selbst, wenn ich jetzt nach Sotschi fahre und weiß, ich hab schon mal gewonnen, dann ist das trotzdem noch ein unwirkliches Gefühl.


Mit welcher Erwartungshaltung geht man als Olympiasiegerin in die zweiten Olympischen Spiele?

Rebensburg: Vor der Saison war sicher das Ziel, um eine Medaille mitzufahren, aber nach dem tatsächlichen Verlauf bisher sind andere die Favoritinnen. Ich war zwei Monate wirklich krank. Diese Vorbereitungszeit fehlt mir. Aber ich finde meine neue Rolle auch spannend. Jetzt versuche ich, die anderen zu jagen.


Wie hat sich die Konkurrenz entwickelt, auf wen achten Sie?

Rebensburg: Im Riesenslalom ist es eine spannende Saison mit vielen verschiedenen Siegerinnen. Lara Gut im ersten Rennen, dann Jessica Lindell-Vikarby. Mikaela Shiffrin war teilweise richtig schnell, Tina Weirather hat ein Rennen gewonnen, ebenso Anna Fenninger, es ist schwierig im Riesenslalom die eine Favoritin zu nennen. Die üblichen Verdächtigen sind Maze, Fenninger, Gut - und auch Maria (Höfl-Riesch) muss man in allen Disziplinen auf der Rechnung haben.


Was für ein Gefühl haben Sie bei der Strecke in Sotschi?

Rebensburg: Wir sind die Riesenslalom-Strecke vor zwei Jahren nicht gefahren, nur die Abfahrt. Vom Gelände her ist Sotschi gut machbar. Aber es kommt darauf an, wie die Strecke präpariert wird, vielleicht schieben sie Wellen ein.


Welche Bedingungen wären Ihnen Recht? Nebel nicht, oder?

Rebensburg: Ach da hätte ich nichts dagegen. (Lacht) Aber im Ernst, in Sotschi kann, was ich so gehört habe, alles passieren. Da kann es an einem Tag drei Meter schneien, es kann Nebel haben - da muss man einfach flexibel sein und so gehe ich auch an die Sache ran.


Das deutsche Team wird sehr klein sein, spielt das eine Rolle?

Rebensburg: Wir trainieren im Team, aber man fährt letztlich allein. Am Hang muss man sich immer auf sich selbst konzentrieren, egal ob da jetzt fünf Mannschaftskolleginnen dabei sind oder nur eine. Das spielt daher für die Wettkämpfe keine große Rolle. Aber es wäre natürlich trotzdem schöner, wenn es ein größeres Team wäre und sich mehr qualifiziert hätten.


Was trauen Sie den anderen im deutschen Team zu?

Rebensburg: Für Babsi Wirth ist die Qualifikation für Olympia schon eine super Leistung. Sie kann dort total befreit fahren, wer weiß, was dadurch möglich wird. Tina Geiger kann im Slalom auch extrem schnell Schwünge fahren. Wenn dann noch die Bedingungen passen... Und bei der Maria brauchen wir gar nicht drüber reden. Sie ist in jeder Disziplin eine Medaillenanwärterin.


Was sagt denn die beste deutsche Riesenslalomfahrerin zu den Chancen bei den Herren nach dem Adelboden-Sieg von Felix Neureuther?

Rebensburg: Das ist richtig cool und hat mich extrem für ihn gefreut. Ich habe das Rennen daheim verfolgt. Felix hat seit der Materialumstellung im Riesenslalom einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der fährt einfach extrem gut Ski. Er hat sicherlich im Slalom und im Riesenslalom Chancen.


Die drei Medaillen, die sich der DSV von seinen Alpinen erhofft, die sind also realistisch aus Ihrer Sicht?

Rebensburg: Solche Vorgaben sind aus Athleten-Sicht immer schwierig. Wenn ich versuche, es von außen zu betrachten, dann würde ich sagen: ja.


Im Slalom sind drei deutsche Damen qualifiziert, aber der DSV hat vier Quotenplätze - das wäre doch Ihre Chance, oder?

Rebensburg: Haha, ja, darüber haben wir auch schon gescherzt, dass ich dann in allen Disziplinen starten könnte. Aber es ist nicht mal geplant, dass ich Slalom-Ski mit nach Sotschi nehme. Von dem her: unwahrscheinlich.