Braunschweig - Der Begriff Freunde würde zu weit führen. Viel Zeit zusammen verlebt haben Jürgen Klopp und Torsten Lieberknecht aber in jedem Fall. Und ziemlich ähnlich in der Außendarstellung sind sich die beiden Fußballlehrer auch.

"Wir haben acht Jahre zusammen bei Mainz 05 gespielt, uns gefreut und gelitten. Wir hatten viele herausragende Momente, die wir zusammen erlebt haben", sagt Eintracht Braunschweigs Trainer Lieberknecht über seinen Bundesliga-Kollegen von Borussia Dortmund: "In acht Jahren kommt einiges zusammen."

Weniger die gemeinsame Zweitligazeit in Mainz als der für beide so wichtige Mentor Wolfgang Frank verbindet Lieberknecht und Klopp heute wohl in ihrer Trainer-Philosophie. "Ich bin sehr traurig. Wolfgang war nicht nur ein großartiger Trainer, sondern auch ein toller Mensch", erklärte Lieberknecht, als Frank im vergangenen Jahr starb.

Der frühere Mainzer Coach hatte einst Lieberknecht und Klopp geprägt. "Wolfgang hat eine ganze Generation von Fußballern beeinflusst und tut es noch heute. Ich habe das mehr als 1000 Spielern gesagt", sagte Klopp über das gemeinsame Vorbild.

Beiden Bundesligatrainern vermittelte Frank sein Verständnis vom Fußball. Ob das emotionale Auftreten auch dazu gehört, ist nicht verbrieft. Sowohl Klopp als auch Lieberknecht agieren mitunter frappierend ähnlich an der Außenlinie. Unvergessen ist Klopps Wutausbruch beim Champions-League-Spiel in der vergangenen Saison in Neapel, als er den vierten Offiziellen furchteinflößend und mit weit aufgerissenem Rachen und stechendem Blick anschrie. "Das war völlig unnötig", räumte der BVB-Coach anschließend ein.

Viel Reue zeigte Trainerkollege Lieberknecht bei seinen Ausrastern bislang noch nicht. "Emotionen und Leidenschaft gehören für mich im Fußball dazu. Glatt gebügelt bin ich nicht", sagte Lieberknecht über sein Auftreten. Wie emotional der Eintracht-Coach sein kann, bewies er in dieser Saison schon in Hamburg und gegen Nürnberg. "Es gibt Momente, in denen du merkst, du bist dieser kleine Pissverein, der bei den Schiedsrichtern noch nicht diese Wahrnehmung hat", polterte der 40-Jährige nach dem 0:4 beim HSV. Beim 1:1 gegen Nürnberg in der Hinrunde musste die Werbebande dran glauben, zudem flog eine Trinkflasche über die Tartanbahn des Eintracht-Stadions.

"Es ist ja nicht so, dass ich irgendwelchen Stuss erzähle. Diese Emotionalität ist auch nur eine Facette von mir", sagte Lieberknecht zu seinem Image und verweist auf seinen bisherigen Erfolg. Er führte den Ex-Meister Braunschweig von der Drittklassigkeit in die erste Liga. "Das erreichst du nicht, wenn du nur emotional bist, wenn da nicht mehr hintersteckt", meinte Lieberknecht.

Viele halten das impulsive öffentliche Auftreten indes für Kalkül. Nach dem 0:4 gegen Stuttgart im vergangenen Herbst trat Lieberknecht derart niedergeschlagen vor den Medien auf, dass man seinen Rücktritt annehmen musste. Dies zog eine gewaltige Solidarisierungsaktion der Fans nach sich. Lieberknecht ruderte zurück und Braunschweig gewann ausgerechnet im Derby in Wolfsburg das erste Saisonspiel.

Lieberknecht wollte danach von einer bewussten Aktion nichts wissen. Sein Grübeln nach dem VfB-Spiel sei stattdessen ehrlich gewesen: "Ich hinterfrage mich immer, erst recht wenn wir verloren haben: Hätten wir lieber dies oder jenes im Training machen sollen oder statt grünem Salat Tomate mit Mozzarella essen sollen. Das ist natürlich Humbug. Aber all diese Dinge gehen einem durch den Kopf." In Sachen Authentizität und Unterhaltungswert steht Lieberknecht seinem früherem Teamkameraden Klopp jedenfalls in nichts nach.