Magdeburg - Mehr gesundheitliche Aufklärung über Krebs hat die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft gefordert. "Jeder zweite Mann und jede dritte Frau Sachsen-Anhalts erkrankt im Laufe seines oder ihres Lebens an Krebs", sagte Geschäftsführer Sven Weise am Montag der Nachrichtenagentur dpa. An diesem Dienstag ist Weltkrebstag.

"Sachsen-Anhalt ist das Land mit der höchsten Krebsrate Deutschlands und es wird viel zu wenig darüber aufgeklärt", kritisierte Weise. Dabei könnten allein durch eine gesunde Lebensweise und mehr Bewegung bis zu 40 Prozent aller Krebserkrankungen vermieden werden. "Krebsprävention und Früherkennung muss in dem Bewusstsein der Sachsen-Anhalter deutlich mehr Gewicht gewinnen." Laut Statistischem Bundesamt gab es 2012 in Sachsen-Anhalt 351 Krebstote pro 100 000 Einwohner und damit so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Rund 26 Prozent der Todesfälle in Sachsen-Anhalt entfielen im Jahr 2012 auf Krebs, wie das Statistische Landesamt am Montag mitteilte. Knapp 8000 Krebstote gab es demnach in Sachsen-Anhalt; davon waren 4418 Männer und 3472 Frauen. Laut Statistischen Landesamt verlaufen in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich viele Krebsleiden tödlich.

Die häufigste Krebsart bei Männern ist laut Statistischem Landesamt Prostatakrebs. Knapp 18 Prozent aller neu erkrankten Männer litten daran. Die zweithäufigste Ursache ist mit rund 16 Prozent Lungenkrebs und mit etwa 12 Prozent Darmkrebs. Bei den Frauen liegt Brustkrebs mit 25 Prozent der Erkrankungen vorn, gefolgt von weißem Hautkrebs und Darmkrebs mit jeweils etwa 12 Prozent.

Im Saalekreis und in Mansfeld-Südharz starben mit rund 28 Prozent besonders viele Sachsen-Anhalter an Krebs, wie das statistische Landesamt weiter bekanntgab; im Jerichower Land mit 21 Prozent vergleichsweise wenige.

"Der regionale Unterschied könnte mit dem Altersdurchschnitt der Einwohner erklärt werden", sagte Weise. Lebenskondition und -umstände würden in großem Maß darüber entscheiden, ob eine Person an Krebs erkrankt oder nicht. Sachsen-Anhalter lebten sehr ungesund, meinte Weise. "Bei uns wird 30 Prozent mehr geraucht wie im Bundesdurchschnitt, wir sind die dicksten Menschen Deutschlands, sind sehr alt und ernähren uns ungesund."

Aufklärung und Vorsorgeuntersuchungen könnten in Sachsen-Anhalt viel bewegen, betonte der Geschäftsführer der Krebsgesellschaft. Nur zehn Prozent der Gefährdeten nutzten die Darmkrebsvorsorge. "Die Untersuchung wird als sehr unangenehm wahrgenommen", sagte Thomas Fischer, Professor für Innere Medizin am Uniklinikum Magdeburg. Bei einer Darmspieglung werde die Darmschleimhaut mit einer Lichtquelle auf verdächtige Stellen abgetastet. Andere Vorsorgeuntersuchungen, wie zum Beispiel auf Gebärmutterhalskrebs oder Brustkrebs, würden hingegen gut angenommen.

Laut Krebsgesellschaft lassen sich 60 Prozent der Frauen im gefährdeten Alter untersuchen. "Die gute Nachfrage zur Brustkrebsvorsorge ist das Ergebnis eines gut organisierten Einladungswesens", sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Holger Paech. "Jede Frau ab 50 Jahre erhält alle zwei Jahre eine Einladung zum Mammografie-Screening." Für die Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen ist eine Einladungsoffensive geplant.