München - Längst entzücken Pep Guardiolas Über-Bayern nicht nur sich selbst, sondern auch die Konkurrenten. "So eine starke Bayern-Mannschaft habe ich noch nie gesehen. Jeder Spieler ist jeden Cent wert, den er verdient", sagte Frankfurts Trainer Armin Veh.

Nach der 0:5-Pleite seiner Eintracht in München geriet selbst Veh ins Schwärmen. Hoffnungslos untergegangen waren die Hessen gegen den Bundesliga-Dominator wie schon so viele Vereine in den Wochen und Monaten zuvor. Die früheste Meisterschaft der Bundesliga-Geschichte nimmt konkrete Züge an.

Bayerns Defensivstratege Thiago verkörperte die erdrückende Dominanz mit einer ganz besonderen Bestmarke: Der Spanier hatte den Ball so oft am Fuß wie kein anderer Erstligaspieler seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 20 Jahren. Selbst die Statistikprofis kamen bei der exakten Auszählung durcheinander: Die Deutsche Fußball Liga meldete offiziell 177 Ballkontakte, "Kicker online" und Sky gar 185. "Das ist ein großer Rekord für ihn. Er hat sehr serös und intelligent gespielt", lobte Trainer Guardiola.

53 von 57 möglichen Punkten - die Ausbeute ist so atemberaubend wie all die Rekordserien, die Guardiolas Weltklasseteam Wochenende für Wochenende knackt und ausbaut. Inzwischen sind die Bayern seit 44 Partien in der deutschen Eliteliga ungeschlagen. Bei dieser Übermacht erscheint der Triplesieg aus der Vorsaison fast nur noch wie eine Etappe auf dem Weg zu noch mehr Titeln und Triumphen. Die 24. Meisterschaft ist jedenfalls fest eingeplant. "Wenn man 13 Punkte Vorsprung hat als FC Bayern, dann können wir uns nur noch selber stoppen, das steht außer Frage", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Die müden Konkurrenten in der Bundesliga wirken wie Erfüllungsgehilfen der Bayern. Gegen überforderte Frankfurter drückte sich der Klassenunterschied sogar in fünf Toren aus, was Anhänger und Trainer Guardiola erheiterte. "Ich freue mich auch für die Fans. Ich hatte in der Hinrunde oft Angst, dass den Leuten etwas langweilig war im Stadion", kommentierte der Spanier. Ihre vorangegangenen neun Heimspiele hatten die Münchner zwar auch allesamt gewonnen - aber siegen alleine reicht in der Allianz Arena nicht mehr.

Ohnmächtig vor Respekt waren die Hessen schon angereist und hatten freiwillig auf ihre Stammkräfte Sebastian Rode und Carlos Zambrano verzichtet. Nach der 90-minütigen Demütigung auf spielerischer, taktischer und technischer Ebene waren die Augen von Gästecoach Armin Veh noch größer geworden. "Das ist eine klasse Mannschaft, einfach sensationell", sagte der einstige Meistercoach. Sein Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte schon früh aufgegeben: "Es ist hypothetisch zu glauben, wir hätten hier ein besseres Ergebnis erzielt mit einer anderen Mannschaft. Das kann ich mir nicht vorstellen."

Spannung verspricht erst wieder das Champions-League-Achtelfinale am 19. Februar gegen den FC Arsenal, vorher warten für die Bayern Pflichtaufgaben gegen Nürnberg und Freiburg (Bundesliga) sowie den Hamburger SV (Pokal). "Das Wichtigste ist, motiviert zu bleiben. Aber das ist nicht schwierig: Wenn wir so Fußball spielen, dann macht das nur Spaß, dann musst du das Spiel genießen", sagte Arjen Robben.

Falls es doch einer seiner Profis zu lasch angehen lässt, haut Guardiola dazwischen, das hat er im Fall Mario Mandzukic bewiesen: Nach der kurzzeitigen Ausbootung in Gladbach meldete sich der kroatische Stürmer bei seinem Startelf-Comeback nun eindrucksvoll zurück: Zwei Tore bereitete er vor, einmal (89. Minute) traf er selbst und rundete den von Mario Götze (12.), Franck Ribéry (44.), Arjen Robben (67.) und Dante (69.) eingeleiteten Kantersieg ab.