Sotschi - Die größte Reisegruppe um Gold-Favoritin Maria Höfl-Riesch erreichte Sotschi leicht verspätet, andere deutsche Athleten testeten ohne Zeitdruck bereits die olympischen Wettkampfstätten.

30 deutsche Wintersportler sowie 50 Offizielle und Betreuer landeten am Dienstagnachmittag in der Olympia-Stadt. Am Flughafen Adler wartete erneut ein großes Medienaufgebot auf den Lufthansa-Sonderflug 1474. Der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper, nahm nach den Einreiseformalitäten als Erster seine Olympia-Akkreditierung in Empfang.

Drei Tage vor Eröffnung der ersten Winterspiele in Russland kommt die olympische Flamme auf ihrem 65 000 Kilometer langen Reise Sotschi immer näher, auch Wladimir Putin machte sich auf den Weg. Russlands Staatspräsident wollte am Abend bei der Eröffnung der 126. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auftreten. Vorher trifft Putin noch IOC-Präsident Thomas Bach.

Am Frankfurter Flughafen wurden Skirennfahrer, Biathleten oder Langläufer offenbar von keinen allzu großen Bedenken über die seit Monaten diskutierte politische Situation in Russland begleitet. "Wir haben diese Diskussionen nicht nur verfolgt, sondern auch mitgeführt. Die sind mit bei uns im Gepäck, aber jetzt wird erst einmal der Sport im Vordergrund stehen", sagte DOSB-Generaldirektor Vesper. Höfl-Riesch meinte dazu: "Man wird ja ständig darauf angesprochen von den Medien. Nicht alles stimmt vielleicht. Aber jetzt fahren wir selbst hin und können uns vor Ort ein Bild machen."

Die sportlichen Ziele der deutschen Mannschaft sind hoch. "Wir wollen das Ergebnis von Vancouver 2010 wiederholen. Vor vier Jahren haben wir 30 Medaillen geholt, von daher ist das ein schwieriges, ambitioniertes Ziel", betonte Vesper. DOSB-Präsident Alfons Hörmann warnt vor überzogenen Erwartungen. "Wenn am Ende 27 oder 28 Medaillen herauskommen und dies womöglich als Rückschlag angesehen wird, hat man die Situation verkannt", sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Der Unternehmer aus dem Allgäu traut dem neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach den Spagat zwischen Sport-Spektakel und der Reaktion auf die anhaltende weltweite Kritik zu. "Es ist eine schwere Aufgabe, zweifellos, aber da antworte ich klar und einfach: Wer, wenn nicht er!", sagte der Nachfolger Bachs als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Bach selbst verteidigte noch einmal die Vergabe des Ringe-Spektakels an den Kurort, räumte aber auch Schwierigkeiten ein. "Diese Spiele sind mit Herausforderungen verbunden, das ist auf verschiedenen Feldern offensichtlich. Ihnen hat sich das IOC gestellt. Wir blicken jetzt mit Vorfreude auf die Spiele", sagte der Fecht-Olympiasieger in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt". "Das IOC hat kein politisches Mandat, es ist politisch neutral, ohne apolitisch zu sein. Zu entscheiden, welche Politik eines Landes gut ist oder welche schlecht, ist nicht unsere Aufgabe."

Lob gab es von Bachs IOC-Vorgänger Jacques Rogge. "Er macht einen ausgezeichneten Job, aber das überrascht mich nicht", sagte der 71 Jahre alte Belgier. DOSB-Athletensprecher Christian Breuer warnte im Hessischen Rundfunk: "Olympia sollte man den Sportlern nicht mies reden. Die Spiele haben sie sich wirklich verdient."

Für Aufregung sorgte eine Entführungs-Drohung gegen zwei österreichische Athletinnen. In einem anonymen Brief an das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) war von der Skirennfahrerin Bernadette Schild und Skeleton-Pilotin Janine Flock die Rede. Das ÖOC bestätigte das am Dienstag der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Zunächst hatte das ÖOC noch erklärt, es handle sich um Bernadette Schilds ältere Schwester Marlies. Der Grund für die Verwechslung blieb zunächst unklar.

Die deutschen Rodler haben nach dem ersten Trainingsfahrten einen positiven Eindruck von der Olympia-Bahn in Krasnaja Poljana. Vancouver-Olympiasieger Felix Loch gefallen am besten "diese Bergaufpassagen. Unten ist eine richtige Kompression, das hat man auf keiner Bahn der Welt so extrem. Es ist wie ein Looping in der Achterbahn, da drückt es einen mit 140 km/h ganz schön rein".

Einen sportpolitischen Erfolg konnte Claudia Bokel verbuchen. Die ehemalige Degen-Weltmeisterin wurde als Vorsitzende der IOC-Athletenkommission wiedergewählt. Damit wird sie auch ihren Sitz in der IOC-Exekutive behalten. Bokel war bei den London-Spielen vor zwei Jahren erstmals zur IOC-Athletenvertreterin gewählt worden und sitzt seitdem als vierte Deutsche in der IOC-Exekutive.