Gelsenkirchen - Selten in den vergangenen Monaten wirkte Horst Heldt so gut gelaunt und locker. Zufrieden zog der Manager des FC Schalke 04 nach den Rückrunden-Auftaktsiegen in Hamburg (3:0) und gegen Wolfsburg (2:1) eine kleine Zwischenbilanz.

"Das ist ein Auftakt nach Maß. Ich bin sehr froh, dass wir sechs Punkte aus zwei Spielen geholt haben, mehr geht nicht", sagte der 44-Jährige. Und nannte Gründe für den Aufschwung, der die angestrebte erneute Qualifikation für die Champions League realistisch erscheinen lässt: "Die Personallage entspannt sich etwas und jeder Einzelne zieht gut mit. Wir haben im Trainingslager viele Gespräche geführt. Außerdem treiben sich die Spieler untereinander ebenfalls zu guten Leistungen."

Zur ungewohnten Ruhe und Zuversicht auf Schalke hat das Ende der öffentlichen Torhüterdiskussion beigetragen. Ralf Fährmann steigert sich seit seiner Rückkehr ins Gehäuse Ende November von Spiel zu Spiel. Und mit jeder gelungenen Parade steigt das Selbstbewusstsein des 25-Jährigen, der lange im Schatten von Timo Hildebrand und des jüngst nach Aarau verliehenen Lars Unnerstall stand.

Kein Wunder, dass Fährmann, der das Vertrauen von Trainer Jens Keller und der Fans genießt, ebenfalls bestens gelaunt ist. Der Erfolg schweiße die Mannschaft weiter zusammen, befindet der Torwart: "Dadurch entsteht eine gewisse Euphorie. Diese Euphorie müssen wir mitnehmen, aber uns auch immer wieder vor Augen führen, wie sie entstanden ist: durch harte Arbeit." Der Trend soll weitergehen: "Wenn wir so weitermachen, bin ich positiv gestimmt, was die kommenden Aufgaben angeht. Ich denke, der Funke ist auch auf die Fans übergesprungen", sagte Fährmann.

Zur Stimmungsaufhellung tragen auch die Rückkehrer bei. Der mehr als fünf Monate verletzte Klaas-Jan Huntelaar fehlte zwar noch im Winter-Trainingslager in Doha, arbeitete individuell daheim aber so intensiv, dass er ohne Testspieleinsatz bereits zum Rückrundenstart in Hamburg in der Startelf stand und sein Team dort prompt in Führung köpfte. "Allein seine Anwesenheit auf dem Platz ist wichtig für die Mannschaft", lobte Keller. "Er hat viel gearbeitet und nicht nur wegen des Tores gut gespielt", ergänzte Heldt. Roman Neustädter sieht den Niederländer als "Top-Profi und Vorbild für uns alle".

Nach Huntelaar steht in Kyriakos Papadopoulos, der schon vor Weihnachten einen Kurzeinsatz feierte, ein weiterer Sympathieträger auf dem Sprung. Und auch das Comeback von Julian Draxler rückt näher: Der 20 Jahre alte Jungstar, dessen Wechsel in die Premier League in der vergangenen Woche abgeblockt wurde, will bis zur Partie beim Tabellenzweiten Bayer Leverkusen am 15. Februar wieder fit sein. Draxler dreht nach seinem Sehnenteilriss bereits fleißig Runden und will spätestens kommende Woche wieder mit der Mannschaft trainieren.

Als wichtigsten Baustein für den gelungenen Neustart nannte Kevin-Prince Boateng die zahlreichen konstruktiven Gespräche im Trainingslager in Katar: "Da sind wir als Mannschaft enger zusammengerückt." Kapitän Benedikt Höwedes, der nach seiner Muskelverletzung wieder fit ist und gegen Wolfsburg rechts hinten den gesperrten Atsuto Uchida vertrat, hofft, dass sich der neugewonnene Teamgeist nicht gleich wieder verflüchtigt und am Ende der angestrebte vierte Platz erreicht wird: "Jetzt kämpft jeder für jeden. Und nur so geht es."