Mönchengladbach - Nach der besten Hinrunde seiner Geschichte hat Borussia Mönchengladbach den schlechtesten Rückrundenstart in der Clubhistorie hingelegt und die schwarze Heimserie gegen Bayer Leverkusen nicht beenden können.

Das Team vom Niederrhein unterlag seinem Angstgegner aus der Nachbarschaft mit 0:1 (0:0) und verliert allmählich die direkten Champions-League-Ränge aus den Augen. Inzwischen warten die "Fohlen" schon seit 22 Heimspielen in der Fußball-Bundesliga auf ein Drei-Punkte-Erlebnis gegen Bayer, der letzte Punktspielsieg daheim datiert vom 25. Februar 1989.

Mit einem Kunstschuss aus 18 Metern erzielte Heung-Min Son (62. Minute) das Tor des Tages, festigte seinem Team Tabellenrang zwei und erwischte Gladbach kalt. Die Gastgeber waren zwar von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft, taten sich aber gegen bestens gestaffelte Gäste über 90 Minuten enorm schwer. "Wir kriegen einen Konter zu Hause. Wir haben die Geduld verloren, weil wir zu viel wollten", kritisierte Gladbachs Trainer Lucien Favre. "Wir haben ein paar Sachen zu korrigieren, aber wir dürfen nicht so viel auf die Tabelle schauen. Wir müssen weiter hart arbeiten."

Leverkusen verlegte sich über weite Strecken aufs Verteidigen, machte die Räume dicht und der in der Hinrunde so hochgelobten Gladbacher Offensive das Leben schwer. "Wir haben aus der Kompaktheit gespielt und auf schnelle Konter spekuliert", erklärte Kapitän Simon Rolfes. "Ich hoffe, dass wir jetzt mit jedem Sieg weiter Fahrt aufnehmen. Das war wichtig heute", analysierte der Mittelfeldprofi.

Großchancen gab es für die 53 379 Zuschauer kaum zu bestaunen, dafür mussten die Gladbacher Anhänger die dritte Niederlage im dritten Rückrundenspiel verkraften - das gab es in der Bundesligageschichte der Borussen bisher noch nie.

Bayer 04 brauchte fast 40 Minuten für den ersten Torschuss durch Stefan Kießling, der sich im Strafraum durchsetzte, aus spitzem Winkel abzog, aber an Torwart Marc-André ter Stegen scheiterte. Die Gladbacher mühten sich zwar dank ihres Offensivdrangs mehr um ein attraktives Spiel, die beiden jüngsten Niederlagen gegen Bayern München (0:2) und bei Hannover 96 (1:3) hatten das Selbstvertrauen aber sichtlich angekratzt: Fehlpässe und Ungenauigkeiten prägten weite Teile des Spiels, viel zu oft kam der letzte Pass nicht an.

Ein paar Mal immerhin konnte sich Leverkusens Torwart Bernd Leno im 64. Westschlager auszeichnen. Ter Stegens Konkurrent um den Stammplatz in der U 21-Nationalelf war nach 19 Minuten zur Stelle, als er einen 16-Meter-Schuss von Patrick Herrmann parierte. Kurz darauf musste Leno bei einem gefährlichen Versuch von Max Kruse (32.) nicht mehr eingreifen, der Ball flog knapp übers Tor. Ansonsten bereinigte allzu oft die starke Leverkusener Innenverteidigung um Ömer Toprak und Emir Spahic jegliche halbwegs brenzlige Situationen.

Bei Bayer wirbelten - wenn überhaupt - einzig Kießling und Son ab und an mal im gegnerischen Strafraum. Bis zum Treffer war die beste Szene des Südkoraners ein 22-Meter-Distanzschuss nach 40 Minuten übers Tor. Maximale Effektivität demonstrierte Son dann Mitte der zweiten Halbzeit, als er drei Gladbacher stehen ließ und Bayer mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck in Führung brachte.

Leverkusen reichten 15 gute Minuten nach der Pause, um dem Spiel eine andere Wende zu geben. Die Gladbacher rannten in der Schlussphase zwar an, blieben aber zu inkonsequent im Abschluss. Die beste Chance hatte Kruse (77.), der an Leno scheiterte.