Frankfurt/Main - Der Davis-Cup-Skandal von Frankfurt droht zu eskalieren und stürzt den Deutschen Tennis Bund in Erklärungsnot.

Eine Woche nach dem erbärmlichen Ende der Erstrunden-Partie gegen Spanien ließ Tommy Haas eine "persönliche Stellungnahme" verbreiten und erhob darin indirekt Vorwürfe gegen seinen Mannschaftskollegen Philipp Kohlschreiber und Teamchef Carsten Arriens. DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard kündigte für die kommende Woche ein Gespräch mit der sportlichen Leitung um Arriens und Vertretern des Präsidiums an.

Nach der 3:0-Führung gegen Spanien waren am vergangenen Sonntag weder Haas noch Kohlschreiber zum bedeutungslosen Einzel gegen die spanische Nummer eins Feliciano Lopez angetreten. Die beiden Profis, am Tag zuvor noch umjubelte Sieger im Doppel, hatten sich per offiziellem Attest verletzt abgemeldet. Die Zuschauer in der Frankfurter Ballsporthalle pfiffen das Team und Bundestrainer Arriens aus, der sportliche Erfolg war sofort aus den Schlagzeilen verdrängt.

Über die Abläufe hinter den Kulissen kursieren unterschiedliche Varianten. So soll bei der Party am Samstagabend gelost worden sein, wer am Folgetag spielen müsse. Haas schrieb, dass "eine klare Übereinstimmung gefunden und von Teamchef Carsten Arriens entschieden" worden sei, welche Spieler zu den zwei bedeutungslosen Einzeln antreten sollten. "Warum es dann am Sonntag nicht dazu gekommen ist, kann nur der Davis-Cup-Captain selbst beantworten."

Laut offizieller Ansetzung noch am Sonntagvormittag war Kohlschreiber für das Einzel vorgesehen. Doch der 30-jährige Augsburger sah sich nicht imstande, anzutreten und legte ein ärztliches Attest des Tennis-Weltverbandes ITF vor. Dass Daniel Brands zum Abschluss noch auf den Platz durfte, stand schon fest.

Aus der Haas-Erklärung lässt sich zudem herauslesen, dass der 35 Jahre alte Routinier von Anfang an nur für das Doppel vorgesehen war. Nachdem er bei den Australian Open wegen Problemen an der Schulter aufgegeben hatte, habe er schon vor der Davis-Cup-Auslosung "gemeinsam mit Carsten Arriens entschieden, für das Doppel zur Verfügung zu stehen", erklärte Haas, der es beim ATP-Turnier in Zagreb bis ins Finale gegen den Kroaten Marin Cilic schaffte.

Arriens selbst wollte sich zunächst nicht zu den neuen Entwicklungen äußern. Aus der DTB-Spitze hört man allerdings, dass er aktuell nicht an einen Rücktritt denke. Nichtsdestotrotz steckt der Verband in einem schweren Dilemma. Irgendwie soll der angerichtete Schaden wiedergutgemacht werden, aber irgendwie wirken die Funktionäre auch rat- bis planlos. "Formal ist alles korrekt abgelaufen", sagte Präsident Karl-Georg Altenburg bereits. Inhaltlich hat er damit sicher recht. Die Ermittlungen der ITF werden wohl ergebnislos eingestellt, und auch die befürchtete Revolution der Landesverbände blieb am Wochenende erst einmal aus.

"Wir haben einige gute Ideen, wie wir auf die Leute zugehen, um das Bild vom vergangenen Wochenende wieder geradezurücken", sagte Eberhard am Sonntag in Bratislava, wo die deutschen Damen um den Halbfinal-Einzug im Fed Cup kämpften. Auch er verwies auf die Verletzungen der Spieler und dass man natürlich keinen zwingen könne, auf den Platz zu gehen. Wer nun im Viertelfinale vom 4. bis 6. April gegen Frankreich in Nancy auf den Platz stehen wird, ist derzeit völlig offen.