München - Der größte Investoren-Deal in 51 Jahren Bundesliga lässt die Konkurrenz von Branchenführer Bayern München verblüfft zurück.

"Ich kann die Bayern zu diesem Geschäft nur beglückwünschen - das ist Marktwirtschaft. Die Kluft zum Rest der Liga wird dadurch aber natürlich noch ein Stück größer", kommentierte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vom Hauptrivalen Borussia Dortmund in der "Bild"-Zeitung den Deal. Helmut Hack, Vorstandsmitglied im Ligaverband, erkennt im Einstieg des Versicherers Allianz einen "weiteren Meilenstein", den der Triplesieger für sich erreicht habe.

"Die Bayern haben ihre Rolle als Aushängeschild des deutschen Fußballs einmal mehr untermauert. Es liegt jetzt an der Liga selbst, alles dafür zu tun, dass wir eine wettbewerbsfähige Liga erhalten", forderte Hack, zugleich Präsident des Fußball-Zweitligisten Greuther Fürth. Wirtschaftlich allerdings dürfte in absehbarer Zeit kein Club auch nur in die Nähe der reichen Münchner kommen, bei denen neben der Allianz auch der Sportartikelhersteller Adidas (seit 2001) und der Autokonzern Audi (seit 2009) mit jeweils 8,33 Prozent beteiligt sind.

Schon das bundesligainterne Umsatzranking führt der Vorzeigeverein um Längen vor den Mitbewerben aus Dortmund und Schalke ein. Der Deal mit dem Versicherungsriesen allein spült dem FC Bayern nun 110 Millionen Euro in die Kasse, wovon das Stadion weitgehend abbezahlt werden soll. Die Arena war einst für 340 Millionen Euro gebaut und später komplett vom Rekordmeister übernommen worden. Jetzt sparen sich die Münchner die Tilgungskosten, das Eintrittsgeld der knapp 70 000 Zuschauer pro Spiel kann somit komplett aufs Festgeldkonto fließen. Was wiederum den Spielraum für den Kauf weiterer Stars erhöht.

Die bayerische Aussicht auf Schuldenfreiheit in Kombination mit der schon jetzt akuten sportlichen Dominanz lässt künftig noch mehr Langeweile an der Bundesligaspitze erahnen. "Es liegt jetzt an den anderen Mannschaften, so attraktiv wie möglich zu sein und die wirtschaftlichen Nachteile auszugleichen", sagte Hack am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. "Bayern hat sich eine eindeutige Pole Position erarbeitet. Aber ich bin sicher, dass uns trotz dieser Dominanz eine attraktive Bundesliga erhalten bleibt."

Immerhin eine Nachricht dürfte Watzke, Schalke-Boss Clemens Tönnies & Co. ein wenig aufatmen lassen: Dass die Bayern ihr frisches Geld nicht direkt für noch mehr neue Weltklasseprofis ausgeben möchten. Im - nun eingetretenen Fall - einer weiteren Partnerschaft mit einem zahlungskräftigen Investor werde der Verein "in die Infrastruktur investieren, in Steine, nicht in Beine", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon vor einer Woche beim Sportsponsoring-Kongress Spobis in Düsseldorf bekräftigt.

Wohl auch, weil die Bayern ein Wettbieten um die Messis und Ronaldos dieser Fußballwelt momentan gar nicht nötig haben. Nach dem historischen Triple in der Vorsaison läuft unter dem neuen Trainer Pep Guardiola alles auf weitere Triumphe hinaus. In der Champions League ist der Vorjahressieger auf Kurs, in der Bundesliga zweifelt dank des horrenden Vorsprungs niemand an der 24. Meisterschaft.

Anders als zuletzt bei Hertha BSC, wo eine US-Finanzinvestorenfirma mit fast zehn Prozent eingestiegen war, hätte der FCB auf den zusätzlichen Millionenbetrag auch locker verzichten können. Die rosige Aussicht, neben der schnellen Arena-Abzahlung auch den Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums forcieren zu können, ohne anderswo auf der Ausgabenseite sparen zu müssen, gab Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß den entscheidenden Ruck. "Insgesamt ist die Bundesliga seit vielen Jahren ein Erfolgsmodell und für Anleger interessant", sagte Hack. Für den FC Bayern gilt das ganz besonders.