Sakhir - Nach den lächerlichen 92,988 Kilometern zum viertägigen Testauftakt gilt für Sebastian Vettels Red-Bull-Rennstall bei den zweiten Proberunden die Devise: fahren, fahren, fahren.

Bloß nicht wieder dreimal vorzeitig abbrechen. Bloß nicht wieder Feuer aus dem Heck in der Garage statt Vollgas auf der Strecke. "Uns hat die Zeit gefehlt", räumte Red Bulls Staringenieur Adrian Newey jüngst ein.

Und der Zeit läuft das Weltmeister-Team der Formel 1 zunächst noch hinterher. Nicht mal mehr ein Monat vor dem Rennauftakt und dem Start in Vettels fünfte WM-Mission ist die Konkurrenz weiter, allen voran das deutsche Mercedes-Team. Nach den meisten Runden in Jerez wollen Nico Rosberg und Lewis Hamilton von Mittwoch bis Samstag auch in Bahrain die Zuverlässigkeit des vielversprechenden neuen Silberpfeils testen. "Standfestigkeit ist das Schlagwort für die ersten fünf, sechs Rennen", sagte Teamaufsichtsratschef Niki Lauda: "Wer das in der Vorbereitung am besten gelöst hat, wird weit vorne sein."

Dabei wird es für die, die die ärgsten Kinderkrankheiten an den nagelneuen Autos für die Reformsaison 2014 bereits überstanden haben, vor allem auch ums Thema Spritverbrauch gehen. Man könne es gerne probieren, mit den neuerdings nur noch erlaubten 100 Kilogramm Sprit Vollgas zu fahren, "aber ich glaube, man sieht die Zielflagge dann kein einziges Mal", prophezeite Vettel bereits.

Dass der 26 Jahre alte Titelverteidiger aus Heppenheim in Jerez nur elf Runden an zwei Tagen drehte, hatte mit ökonomischem Fahrverhalten nichts zu tun. Praktisch alle Teams, die mit den neuen Antriebssträngen von Renault unterwegs waren, haderten. "Wir hatten zwei oder drei große Probleme, die wir nun gelöst haben", erklärte vor dem zweiten Testernstfall Renaults Streckenchef Remi Taffin.

Erledigt ist die Sache damit aber noch nicht: Renault und seinen Partnern steht auch in der Wüste von Sakhir mit den neuen Turbo-Triebwerken und den zusätzlichen Hybridsystemen eine Menge Abstimmungsarbeit bevor.

Voreilig abschreiben will den Red-Bull-Rennstall aber niemand. "Für die Formel 1 ist es nicht gut, wenn ein Hersteller in Nöten ist. Aber ich bin mir sicher, sie werden stark zurückkommen", meinte Mercedes\' Motorsportchef Toto Wolff: "Hoffentlich etwas weniger stark als zuvor."

Auch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali betonte: "Ich bin vorsichtig damit, ein Team, das in den vergangenen Jahren gewonnen hat, aus dem Kreis der Hauptkonkurrenten zu streichen." Wenn Red Bull die Probleme erkannt habe, könne das Team die verlorenen Kilometer leicht nachholen, meinte er.

Vier Tage haben Red Bull und seine Verfolger nun Zeit. Vom 27. Februar bis 2. März folgt die dritte und letzte Testperiode, abermals auf dem Grand-Prix-Kurs in Bahrain. Spätestens dann dürfte sich auch in Sachen Top-Speed zeigen, wer die Fahrzeugnase vorn hat und dem Start der WM 2014 mit dem Großen Preis von Australien mit berechtigter Vorfreunde entgegenblicken kann - oder mit sorgenvoller Miene.