Hamburg - Das finanzielle Beben beim HSV Hamburg hat die übrigen Clubs der Handball-Bundesliga und den Dachverband HBL alarmiert. "Bloß das nicht", sagt Manager Klaus Elwardt vom Rivalen THW Kiel zum Schreckensszenario eines Rückzugs der Hanseaten aus der Liga.

HSV-Präsident Andreas Rudolph hatte angesichts der finanziellen Schieflage seines Clubs auch die mögliche Abmeldung vom Spielbetrieb angedeutet. Die sei aber vom Tisch. Dennoch "ist der Club ein Sanierungsfall", betont Rudolph, der 500 000 Euro aus der eigenen Tasche zuschoss. Wenn nötig, will er mehr geben. Seit 2004 soll sich sein privates Engagement auf rund 25 Millionen Euro beziffern.

Für HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann wäre ein Rückzug des deutschen Meisters von 2011 und aktuellen Champions-League-Siegers eine Katastrophe gewesen. "Das wäre aber bei jedem anderen Club der Bundesliga auch so", meint Bohmann. Lizenzunterlagen für die Spielzeit 2014/15 habe der HSV noch nicht eingereicht. Bohmann: "Dafür ist bis zum 1. März Zeit." Die Aussage Rudolphs, dass der HSV auf jeden Fall die Lizenz erhalten würde, wollte der HBL-Chef nicht bestätigen. "Die Bekanntgabe der Lizenz-Entscheidungen erfolgt am 15. Mai." Davor werde es keinen Kommentar geben.

Thorsten Storm, Manager bei den Rhein-Neckar Löwen, sieht das Problem nicht nur auf den HSV beschränkt. "Der gesamte Handball befindet sich in einer Schieflage. Die wirtschaftliche Last, welche die Vereine als Arbeitgeber tragen, ist zu groß", beklagt Storm.

Schuld seien Verbände und Ligen in Europa. Diese vergraulen mit ihrer Terminplanung Zuschauer und reduzieren so die Einnahmen. Storm: "Oft haben wir vier Wochen kein Heimspiel. Dann fünf am Stück innerhalb von drei Wochen. Aber das ist den internationalen Verbänden egal." Die Löwen hätten jedenfalls "schwer zu kämpfen", gesteht Storm. "Der Ausstieg unseres Hauptgeldgebers Jesper Nielsen hat einen riesigen Schuldenberg verursacht."

Kritik gab es aus Berlin. Füchse-Präsident Frank Steffel ist vom Mäzenatentum in Hamburg ohnehin kein Freund. Aus seiner Sicht habe das Verhalten der Hanseaten, die mit "sehr, sehr hohen Gehältern" Spielern von anderen Vereinen abwerben, nichts "mit seriöser betriebswirtschaftlicher Refinanzierung" zu tun. "Ich hatte die Hoffnung, dass die Verantwortlichen aus den Erfahrungen in der Vergangenheit gelernt haben."

Im Vergleich zur Meister-Saison 2010/11 fehlen dem HSV Einnahmen in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro. Im Schnitt werden 2000 Zuschauer weniger als 2011 begrüßt, zudem fehlen Sponsorengelder. Punktabzüge für die laufende Saison müssen die Hamburger wohl nicht befürchten. "Das wäre theoretisch möglich, wenn man dem HSV nachweisen kann, dass er bewusst falsche Angaben in den Lizenzunterlagen gemacht hat", sagt Bohmann.

Dem Club steht ein großer Umbruch bevor. Geschäftsführer Christoph Wendt ist bereits beurlaubt worden. "Damit wird ein Kopf geopfert, der bei weitem nicht allein schuld ist", gibt Rudolph zu. Um die Vermarktung soll sich Rechtsaußen Stefan Schröder kümmern. Die unbefristeten Verträge von sieben Geschäftsstellen-Mitarbeitern wurden gekündigt. Alle zum Saisonende auslaufenden Spielerverträge werden nicht verlängert. Welthandballer Domagoj Duvnjak war dem Konkurrenten THW Kiel bereits im Januar angeboten worden. Die Kieler verzichteten. Ihnen reicht, dass der Kroate im Sommer kommt.