Gelsenkirchen - Alle reden über Mainz, niemand spricht über Madrid. Wenige Tage vor dem Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale liegt der Fokus der Schalker Profis auf der Bundesliga.

Die nach zuletzt vier Siegen erarbeitete gute Ausgangslage soll im Heimspiel gegen den Tabellen-7. am Freitag nicht leichtfertig verspielt werden. Deshalb erklärte Trainer Jens Keller das Duell mit den "Königlichen" vorerst zum Tabuthema: "Ich lasse es nicht zu, dass wir im Moment über Real reden. Erst von Samstag an können wir uns darüber Gedanken machen."

Dem Revierclub bietet sich die Chance, eine Vereinsbestmarke einzustellen. Fünf Erfolge zum Rückrundenstart gab es bisher nur 2001/02 unter Huub Stevens. "Solch ein Rekord sorgt für ein bisschen Zusatzmotivation", kommentierte der ehemalige Mainzer Tim Hoogland. Ebenfalls leistungsfördernd dürfte sich der Blick auf die Tabelle auswirken. Nicht auszuschließen, dass der Revierclub im Erfolgsfall nach dem 22. Spieltag erstmals in dieser Saison auf einem direkten Champions-League-Platz rangiert.

Neben der ansteigenden Formkurve sorgt auch die schwindende Personalnot für ein Stimmungshoch. Zur Freude von Keller kehrt schon gegen Mainz Nationalspieler Julian Draxler in den Kader zurück. "Wir haben wieder mehr Optionen als in den vergangenen Wochen", kommentierte der noch zum Jahresende vom Rauswurf bedrohte Coach, "Rotation war bei uns ja ein Fremdwort." Für Kapitän Benedikt Höwedes kommt ein Einsatz nach seinem Muskelfaserriss aber noch zu früh.

Selbst bei seinen einstmals strengsten Kritiker genießt Keller mittlerweile eine beträchtliche Wertschätzung. Auch das erhöht den Spaß an der Arbeit. "Es ist eine Freude für mich, jeden Tag mit der Mannschaft zu trainieren", sagte der Trainer. Vor allem seine Maßnahme, Ralf Fährmann zurück ins Tor zu beordern, trug zur sportlichen Trendwende bei. "Ralf gibt der Mannschaft wahnsinnig viel Stabilität und hat großen Anteil am Erfolg der vergangenen Wochen", befand Keller.

An Respekt vor dem Gegner mangelt es den Schalkern nicht. "Die Mainzer sind auch gut drauf und schielen nach den internationalen Plätzen", kommentierte Sportvorstand Horst Heldt in Anspielung auf deren jüngste Bilanz mit vier Siegen in den vergangenen fünf Spielen. Diese beachtliche Ausbeute macht FSV-Trainer Thomas Tuchel Mut für die beiden schweren Auswärtsspiele in Gelsenkirchen und Leverkusen: "Die Voraussetzung ist geschaffen, dass wir ohne belastende Gedanken dorthin fahren können. "Wir fühlen uns in der Außenseiterrolle durchaus wohl."

Noch ist offen, ob die Mainzer mit dem am Oberschenkel verletzten Joo-Ho Park planen können. Über einen Einsatz des Südkoreaners will Tuchel erst "spät entscheiden". Besser stehen die Chancen auf eine rechtzeitige Genesung bei Christoph Moritz, der sich in Wolfsburg eine tiefe Risswunde am Kopf zugezogen hatte und mit 13 Stichen genäht werden musste. "Die Wunde wird gut gepolstert. An der optimalen Lösung arbeiten wir", sagte Tuchel.