Sakhir - Ein völlig neues Fahrgefühl für Sebastian Vettel in der neuen Turbo-Ära: Der vierfache Formel-1-Weltmeister konnte nach zuvor frustrierenden Testtagen wegen großer technischer Probleme erstmals viele Runden drehen.

Grund zur Zufriedenheit hatte er deshalb trotzdem noch nicht: Auch in Bahrain rollte sein Red Bull um Welten hinter der Konkurrenz her. "Wir haben noch viele Baustellen - größere und kleinere, die wir beheben müssen", bilanzierte Vettel vor seinem Rückflug in die Heimat. "Aber man kann an einem Tag keine Berge versetzen."

Um unglaubliche 5,43 Sekunden lag Vettel (1:40,340 Minuten) hinter dem Tagesschnellsten Kevin Magnussen zurück. Der Däne fuhr auf dem 5,412 Kilometer langen Bahrain International Circuit in Sakhir im McLaren-Mercedes in 1:34,910 Minuten die überlegene Bestzeit. Nico Hülkenberg, am Vortag zum Auftakt des zweiten von drei Tests vor dem Saisonstart Mitte März in Melbourne Schnellster, kam auf Rang zwei. Der Force-India-Pilot aus Emmerich benötigte bei frühsommerlichen Temperaturen bis zu 27 Grad und Sonnenschein in der Wüste 1:36,445 Minuten. Hülkenberg lag damit 1,535 Sekunden hinter Formel-1-Neuling Magnussen.

Nach dem Desaster beim ersten Test in Jerez und dem erneut völlig verkorksten Bahrain-Auftakt am Mittwoch mit riesigen technischen Pannen kam Vettel endlich richtig zum Fahren. Mit insgesamt 58 Runden, was 313,896 Kilometern und damit etwas mehr als einer Grand-Prix-Distanz entspricht, spulte der Serien-Champion mehr als dreimal so viele Kilometer ab, wie er und sein Teamkollege Daniel Ricciardo während der völlig frustrierenden vier Testtage in Südspanien zusammen geschafft hatten.

"Man lernt natürlich, wenn man viel fährt", sagte Vettel. "Heute bin ich mehr gefahren als die ganze Zeit davor zusammen." Aber noch ist der neue RB10 meilenweit davon entfernt, mit der Konkurrenz mithalten zu können. "Wir wissen, dass es unheimlich schwierig ist", sagte der 26 Jahre alte Hesse aus Heppenheim. Offensichtlich hat sich Vettel auf eine langwierige Aufholjagd eingestellt.

Vor dem Großen Preis von Australien bleibt dem Titelverteidiger und seinem Team erneut in Bahrain (27. Februar bis 2. März) eine letzte Chance, den Red Bull bei den abschließenden Tests konkurrenzfähig zu machen. "Bis jetzt war es ja nur ein Herumrollen", stellte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko nüchtern fest.

Auch bei Nico Rosberg lief es nicht ganz rund. Weil sein Mercedes zweimal auf der Strecke streikte, musste die Session jeweils gestoppt werden. Ursache des Malheurs nach Informationen von "auto-motor-und-sport.de": Im neuen V6-Turbo-Triebwerk war der Wasserdruck abgefallen. Trotzdem kam der Silberpfeil-Pilot auf 85 Runden und Rang vier (1:36,965). "Wir hatten ein paar kleine Probleme", resümierte Rosberg. "Aber wir müssen ans Limit gehen, um zu sehen, wie das Auto unter allen Bedingungen funktioniert." Der zweifache Champion Fernando Alonso (Spanien) konnte sich im Ferrari knapp vor dem Mercedes-Mann als Dritter platzieren.