Wetzlar - Tischtennis-Star Dimitrij Ovtcharov hat im Finale der Giganten eine Lücke in seiner Titelsammlung geschlossen. Der Europameister sicherte sich durch einen deutlichen 4:1-Sieg gegen Ausnahmekönner Timo Boll erstmals die deutsche Meisterschaft.

Nach drei verlorenen Endspielen behielt "Dima" in Wetzlar die Nerven und verhinderte Bolls zehnten Titel. Im Damen-Einzel wiederholte die EM-Zweite Shan Xiaona aus Berlin mit 4:2 gegen die EM-Dritte Han Ying (Tarnobrzeg/Polen) ihren Sieg aus dem Vorjahr.

"Es ist ein total überwältigendes Gefühl, diesen Titel gegen Timo zu gewinnen", kommentierte Ovtcharov seinen Premierensieg. "Es hat total viel Spaß gemacht". Boll erkannte die Überlegenheit seines sieben Jahre jüngeren Gegners als fairer Verlierer an. "Gegen einen guten Kumpel zu verlieren, macht es etwas einfacher", sagte der gebürtige Hesse. "Mein Aufschlag war nicht gefährlich genug."

Die Mehrheit der 3100 Zuschauer unterstützte Boll, der auf einen Betreuer an der Box verzichtet hatte. Der 32 Jahre alte Linkshänder von Borussia Düsseldorf kassierte die dritte Endspiel-Niederlage und konnte die neunmaligen Sieger Conny Freundorfer und Eberhard Schöler erneut nicht überholen. Der Olympia-Dritte Ovtcharov, der als Profi für Orenburg in Russland spielt, wurde von seinem Vater Mikhail aus Hameln betreut. Nach einem kurzen Jubel mit geballter Faust umarmte der neue Meister seinen Coach, der ihm Tischtennis beigebracht hatte.

Die beiden Weltklasse-Spieler hielten auf dem Weg in das Endspiel die keineswegs schlechte Konkurrenz recht sicher in Schach. "Neue Erkenntnisse gab es für mich nicht. Die Top-Leute haben sich durchgesetzt, aber alle müssen bis zur Weltmeisterschaft besser werden. Das gilt auch für Dima", beurteilte Bundestrainer Jörg Roßkopf recht pragmatisch das Turnier-Niveau.

Für DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig war Wetzlar eine Durchgangsstation Richtung Team-WM Ende April in Tokio. "Wir haben eine positive Rückmeldung erhalten und sind auf einem guten Weg. Auch bei den Damen sehe ich uns gut aufgestellt", sagte Schimmelpfennig. Vor allem die 17 Jahre alte Jugend-Europameisterin Nina Mittelham aus Bad Driburg sorgte für Aufsehen. Sie schaffte es bis ins Halbfinale.

Allerdings wurde das Talent - auch aus schulischen Gründen - nicht für die WM nominiert. Mittelham soll das Abitur machen. Pech auch, dass die alte und neue Meisterin Shan Xiaona (Berlin) und die unterlegene Finalistin als gebürtige Chinesinnen im Gegensatz zu EM-Turnieren bei Weltmeisterschaften nicht startberechtigt sind. "Das ist eine spezielle Situation", sagte Schimmelpfennig.