Halle - Sven Köhler ist kein Typ Mensch, der ans Ausruhen denkt. Der Trainer und das Team des Fußball-Drittligisten Hallescher FC haben zuletzt im Abstiegskampf gut gepunktet, doch "sicher fühlen" will er sich erst, wenn die 45-Punkte-Marke geknackt ist. Am Samstag (14.00 Uhr) werden eher keine zu den bisher 37 dazukommen. Es geht zum Ligaprimus Heidenheim, und das auch noch geschwächt ohne den gelbgesperrten Marcel Franke und am Oberschenkel verletzten Toni Lindenhahn. "Im Normalfall verlierst du dort, wie alle anderen in der Liga", meint Köhler fast mit einem Lächeln. "Aber die Chance etwas zu holen, ist immer da. Irgendwie."

Halles Trainer will sich nicht schon im Voraus geschlagen geben, selbst wenn die Lage schwierig scheint. Köhler ist eben ein Fußballkämpfer - mitunter etwas verbissen, aber am Ende erfolgreich. Auch diesmal. Das alte Jahr auf einem Abstiegsplatz beendet, hat sein Team nun vier Siege und ein Unentschieden aus sechs Partien geholt, spielt plötzlich erfrischend kombinationsfreudig und temporeich angriffslustig. Der Lohn: Tabellenplatz neun und acht Zähler Vorsprung auf die rote Linie.

Der Klassenverbleib ist für den Kämpfer erneut zum Greifen nah - auch, weil sich der 48-Jährige im Winter trotz finanzieller Engpässe für Verstärkungen eingesetzt hat. War es im vergangenen Jahr noch Timo Furuholm, ist es nun Sturmneuling Francky Sembolo von Zweitligist Bielefeld, der ein Tor nach dem anderen schießt und den HFC so aus der Gefahrenzone katapultierte. Ihm steht mit Tim Kruse einer zweiter Erfahrener bei. Der Mittelfeldmann ordnet sein Umfeld mit Ruhe und Übersicht und hat gleichzeitig das Auge dafür, seine Vorderleute mit schnellen, präzisen Pässen in Szene zu setzen.

Mit der Rückkehr von Björn Ziegenbein aus dem Langzeit-Lazarett ist der HFC in der einstigen "Baustelle Zentrum" nun super aufgestellt. "Nimmt man Andy Gogia noch dazu, haben wir im Mittelfeld 2014 drei richtig gute Fußballer", meinte Trainer Köhler. So gelingt einerseits aus dem Spiel heraus mehr. Andererseits überzeugte der HFC zuletzt auch immer häufiger durch gut getretene Standards vor allem von Sören Bertram, der sich trotz seines jungen Alters als nervenstarker Elfmeterschütze erwies.

Köhler würde seine Leistungsträger gern binden. Entsprechende Gespräche im Hintergrund laufen seit dieser Woche, auch wenn sie sich schwierig gestalten. Bei Sembolo etwa hat auch Ausleih-Verein Bielefeld noch ein Wort mitzureden. Ebenso ist es bei Sören Bertram und dem VfL Bochum, der ihn nach eigenen Angaben "unter Beobachtung" hat. Hoffnungs-Pluspunkt für den 22-Jährigen und den HFC: Das Arbeitspapier gilt nur für die zweite Liga - zurzeit hält sich Bochum gerade so über den Abstiegsrängen.