Lenzerheide - War es das traurige Ende einer großartigen Karriere? Nach einem "Schock" und einer kurzen Nacht "voller Tränen" legte sich die verletzte Maria Höfl-Riesch zumindest mit dem Zeitpunkt ihrer Zukunftsentscheidung fest.

Spätestens in 14 Tagen soll der weitere Weg feststehen. "In den Urlaub möchte ich das nicht mitnehmen, den Urlaub möchte ich auf jeden Fall genießen. Ich glaube, das kann ich nur, wenn da klare Verhältnisse herrschen", erklärte die 29-Jährige in der Schweiz in einem ARD-Interview. Mit dem "traurigen Ausgang" des Weltcup-Finales müsse sie nun leben, bekannte sie.

Einen Tag nach ihrem Sturz in Lenzerheide hatte die dreimalige Olympiasiegerin noch Schmerzen wegen ihrer Muskel-, Arm- und Ellenbogenverletzung. Zudem wirkte sie wegen ihres fiebrigen Infekts noch mitgenommen. Höfl-Riesch mühte sich aber, ein positives Fazit des Winters zu ziehen. "Wenn es so sein sollte, dass es wirklich vorbei ist, dann ist das natürlich kein schönes Ende gewesen. Trotzdem muss man einfach sagen, dass die Saison super war", betonte die Gesamtweltcupsiegerin von 2011.

Fair gratulierte die "Sportlerin des Jahres" des Jahres 2010 der diesjährigen Gesamtklassement-Besten Anna Fenninger (Österreich). Höfl-Riesch selbst hatte mit dem Erfolg in der Abfahrts-Wertung eine Sehnsucht gestillt. So schön das und die zwei Medaillen von Sotschi, mit denen sie als erfolgreichste deutsche Olympia-Alpine "in die Annalen" (Höfl-Riesch) einging, auch waren: Es wäre bedauerlich, wenn nun solch ein schmerzhafter Sturz den Schlusspunkt hinter die Laufbahn einer der größten deutschen Wintersportlerinnen setzen würde.

Ski-Kollegen, Umfeld und Verantwortliche fragen sich nun, wie sich die beste deutsche Skirennfahrerin der vergangenen Jahre mit Blick auf ihre Karriere entscheidet. "Das ist schwierig. Es wird sicher knifflig werden", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier der dpa. Die Verletzung ist sicher kein "Pluspunkt". "Das ist so bitter, Maria darf nicht aufhören. Wir brauchen sie unbedingt", erklärte Felix Neureuther in der "Bild". "Aber ich würde es verstehen, wenn sie aufhört. Denn sie hat alles in ihrer Karriere gewonnen."

2005 erlitt Höfl-Riesch zwei Kreuzbandrisse, die sie die Olympia-Teilnahme 2006 und wohl viele Weltcup-Erfolge kosteten. Die Erinnerungen an diese schwierige Zeit waren oft präsent. Wenn es um Verletzungen von Konkurrentinnen ging oder sie einmal nicht volle Attacke fuhr, führte sie die eigenen Verletzungen manchmal an. So etwas wollte sie nicht noch einmal erleben müssen.

Die neue Verletzung hat nicht das Ausmaß eines weiteren Kreuzbandrisses, aber je nach Schwere des Bündelrisses könnte die Pause sechs bis zehn Wochen betragen. Dann ist die Vorbereitung auf die WM-Saison schon wieder in vollem Gang. Und die Sehnsucht Höfl-Rieschs auf eine Zeit ohne Quälerei wuchs in den vergangenen Jahren. Auch wenn ihr das Skirennfahrern immer noch große Freude bereitet. Nun will die 29-Jährige "in mich reinhören - und hoffentlich wissen, was das Richtige ist", wie sie der Nachrichtenagentur dpa sagte. Maier riet, erst einmal "den physischen und psychischen Schmerz abheilen zu lassen".

Hadern mochte Höfl-Riesch auch nach ihrem Rennunfall vom Mittwoch wie gewohnt nicht. "Ich habe gekämpft, alles gegeben und es hat nicht sollen sein", erklärte sie. "Natürlich war die Nacht kurz und voller Tränen. Einmal darüber geschlafen überwiegt doch die Freude, dass es mit dem Abfahrtsweltcup noch geklappt hat."

Schon vor ihrem eigenen Start hatte sie diese Kugel sicher, danach geschah der schwere Sturz, der im Fangzaun und mit lauten Schreien endete. Sie zog sich einen Muskelfaserbündelriss an der Adduktorengruppe im linken Oberschenkel sowie eine schwere Prellung am linken Schulter- und Ellenbogengelenk zu. Darüber hinaus erlitt die 29-Jährige eine Kapselverletzung im linken Ellenbogengelenk. Am Donnerstag standen weitere Untersuchungen in München an. Fenninger sicherte sich am selben Tag Rang eins der Gesamtwertung.