Miami - Unter der Sonne Südfloridas spielt sich Benjamin Becker aus dem Schatten der tristen, jüngeren Vergangenheit. Beim ATP-Masters von Miami erreichte der 32-jährige Tennisprofi aus Mettlach überraschend das Achtelfinale und machte seinem Status, Lucky Loser, alle Ehre.

"Wenn man sieht, was da für andere Matches in der dritten Runde waren und ich als Lucky Loser auf einen Qualifikanten treffe, muss ich schon sagen, dass ich Glück mit der Auslosung hatte", meinte Becker.

Als er seinen Matchball gegen den Slowenen Aljaz Bedene zum 6:3, 7:5 verwandelt hatte, ballte Becker seine rechte Faust und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Denn eigentlich war für ihn das hochrangig besetzte Hartplatz-Event auf der Palmen-Insel Key Biscayne bereits vor einer Woche beendet. In der letzten Qualifikationsrunde unterlag er dem Tunesier Malek Jaziri. Doch dann meldete sich der Argentinier Juan Martin Del Potro aufgrund einer Handgelenks-Verletzung ab - und Becker rückte als erster Lucky Loser ins Hauptfeld.

"Ich wusste, dass es ein paar Kandidaten gibt, die vielleicht nicht antreten können. Deswegen hatte ich schon noch die Hoffnung, vielleicht doch noch zu spielen", so Becker. Da Del Potro als Nummer acht der Setzliste zum Auftakt ein Freilos hatte, stand Becker ohne einen einzigen Ballwechsel umgehend in der zweiten Runde. Hier behielt der Saarländer gegen den US-Amerikaner Ryan Harrison die Nerven und gewann den dritten Satz im Tie-Break.

Bei einem Masters-Turnier kommt für einen wie ihn, der in der Weltrangliste auf Platz 93 steht, spätestens in der dritten Runde ein Kontrahent aus den Top 30, der nur schwer zu besiegen ist. Becker traf jedoch auf Bedene, der im globalen Ranking noch 26 Positionen hinter ihm geführt wird. Denn der Slowene hatte zuvor den Weltranglisten-28., Vasek Pospisil aus Kanada besiegt. Und nun steht Becker gar als erster Lucky Loser seit Ivan Ljubicic 2001 im Achtelfinale des mit 5,65 Millionen Dollar dotierten Top-Turniers.

Hier muss sich der Deutsche mit Milos Raonic messen. Die kanadische Kante (1,96 Meter, 88 Kilometer) gilt als Aufschlag-Spezialist. "Sein Service zu entschärfen, wird die Hauptaufgabe sein. Aber das gelingt nicht vielen", betont Becker, der 2010 schon einmal das Achtelfinale von Miami erreicht hatte, damals aber dem späteren Champion, Andy Roddick (USA), unterlag.

Der Name Benjamin Becker ist für viele jedoch mit einem ganz anderen Match verbunden - dem Drittrunden-Duell gegen Andre Agassi bei den US Open 2006. Durch einem Viersatz-Sieg beendete Becker die Karriere des achtmaligen Grand Slam-Gewinners. Doch bereits zuvor hatte er am College auf sich aufmerksam gemacht. Von 2001 bis 2005 spielte Becker für die Mannschaft der Baylor University, verhalf dem Team 2004 zur ersten Meisterschaft und gewann zudem den prestigeträchtigen Einzel-Titel. "Viele Amerikaner verfolgen College-Tennis. Und wenn du da ein bisschen Erfolg hast, kennen sie deinen Namen noch", weiß Becker.

Am 5. März 2007 stand er auf Position 38 der Weltrangliste. Es folgten eine Finalteilnahme in Bangkok sowie ein Turniersieg 2009 in \'s-Hertogenbosch - und somit das Ende der Karriere-Leiter. Mittlerweile sind für ihn Erstrunden-Niederlagen immer häufiger Gewohnheit als Ausnahme. In diesem Jahr scheiterte Becker viermal zum Auftakt. Ans Karriere-Ende denkt er trotzdem noch nicht. Schließlich habe er ja erst mit 25 Jahren auf der ATP-Tour begonnen, so Becker. Und deshalb sieht er sich derzeit eher noch in der Zielkurve als schon auf der Schluss-Geraden. "Und ich hoffe, ich habe noch einen weiten Weg bis zur Ziellinie."