Berlin - Philipp Kohlschreiber steht vor dem erneuten Rauswurf aus dem Davis-Cup-Team. Weil der zweitbeste deutsche Tennisprofi nicht beim sogenannten Versöhnungstag am Sonntag in Frankfurt erscheint, hat der verärgerte Bundestrainer Carsten Arriens mit Konsequenzen gedroht.

"Philipp war eingeladen, sieht sich aber nicht in der Lage zu kommen", sagte der Teamchef der Nachrichtenagentur dpa und kritisierte den 30 Jahre alten Augsburger: "Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen und finde sie enttäuschend."

Auf die Frage, ob er Kohlschreiber nun nicht mehr für künftige Davis-Cup-Partien berücksichtigen wird, antwortete Arriens: "Darüber mache ich mir Gedanken. Aber im Moment steht für mich die sportliche Aufgabe gegen Frankreich im Fokus." Nach den Absagen von Kohlschreiber, Tommy Haas und Florian Mayer wird der Teamchef vom 4. bis 6. April in Nancy mit Tobias Kamke (Lübeck/Weltranglisten-92.) und den Debütanten Jan-Lennard Struff (Warstein/104.), Peter Gojowczyk (München/111.) und Doppel-Spezialist André Begemann (Frankfurt/Main) die starken Franzosen herausfordern.

Damit scheint sich nach dem jüngsten Eklat beim Spiel gegen Spanien im deutschen Herren-Tennis endlich der dringend nötige Neuanfang zu vollziehen. Haas spielt in den Planungen keine Rolle mehr. Dass der bald 36-Jährige nicht aus den USA nach Frankfurt reisen wird, stößt bei Arriens aufgrund der räumlichen Entfernung sogar auf Verständnis.

Mayer und Daniel Brands dagegen werden trotz Verletzung respektive Nicht-Nominierung ins Sport- und Freizeitzentrum in Frankfurt-Kalbach kommen und wollen ihren Teil zur Versöhnung der Fans beitragen. Anfang Februar hatten sich Haas, Kohlschreiber und Mayer beim Sieg gegen Spanien am Abschlusstag mit ärztlichen Attesten abgemeldet und die Zuschauer massiv verärgert. Mayer sagte anschließend wegen einer Schulterverletzung sein nächstes Turnier ab, Haas und Kohlschreiber dagegen gingen in Zagreb an den Start.

"Für mich ist es Ehrensache, am Sonntag nach Frankfurt zu fahren - schließlich freuen sich die Fans auf diesen Tennis-Tag", erklärte Mayer in einer Mitteilung seines Managements. Er werde aufgrund seiner aktuellen Verletzung am Schambein aber nicht spielen können. "Es war für beide eine Selbstverständlichkeit zu kommen, so gehört es sich auch. Das hat auch etwas mit Anstand zu tun", sagte Arriens.

Diesen lässt Kohlschreiber wieder einmal vermissen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Weltranglisten-25. dem deutschen Tennis negative Schlagzeilen beschert. Am Rauswurf von Arriens-Vorgänger Patrik Kühnen war er nicht unbeteiligt, nachdem Kühnen ihn 2012 nach einem monatelangen Zwist nicht für das Davis-Cup-Abstiegsspiel gegen Australien berücksichtigt hatte. Arriens holte Kohlschreiber für die folgende Partie in Argentinien zurück. In Erinnerung sind auch seine verunglückte Olympia-Absage oder seine Dauerfehde mit Haas.

Während Arriens nun auch endlich in der öffentlichen Wahrnehmung sein Profil schärft und sich mit gut durchdachten Personalentscheidungen als starker Bundestrainer positionieren kann, scheint sich Kohlschreiber tatsächlich ins Abseits zu manövrieren. Sein Management wollte am Mittwoch keinen Kommentar abgeben.