Boston - Rekord-Olympiasieger Michael Phelps ist zurück - und Amerikas Schwimmszene begeistert. Mit Vorfreude und Euphorie reagierten Trainer, Teammitglieder und Ex-Sportler auf die angekündigte Rückkehr des Superstars. Er selbst schwieg noch zu den spektakulären Comeback-Plänen.

Der US-Schwimm-Verband hatte am Montag mitgeteilt, dass der 18-malige Olympiasieger seine grandiose Karriere fortsetzen will. Bereits vom 24. bis 26. April will er bei einem Meeting in Mesa/Arizona erstmals wieder ins Becken steigen. Ist das der erste Schritt auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio 2016?

"Das ist großartig für unseren Sport. Er wird eine weitere Generation von Schwimmern inspirieren und beeinflussen und dem Schwimmen Richtung Rio zu viel Aufmerksamkeit verhelfen", betonte die frühere Schwimmerin Janet Evans mit Blick auf die Sommerspiele in zwei Jahren. Die viermalige Olympiasiegerin hatte 2011 im Alter von fast 40 Jahren ihr Comeback gegeben, ein Jahr später bei den Trials jedoch die Qualifikation für die Sommerspiele in London verpasst. Auch der Australier Ian Thorpe hatte es nicht geschafft.

Conor Dwyer, der mit Phelps zusammen 2012 Olympia-Gold in der 4x200-Meter-Freistilstaffel gewann, ist sicher, dass die Rückkehr des "besten Schwimmers aller Zeiten nicht nur bei Fans und Medien für Vorfreude und Interesse sorgen, sondern auch bei den Schwimmern". Trotz Stars wie des fünfmaligen Olympiasieger Ryan Lochte oder der 18-jährigen Missy Franklin wird Schwimmen in den USA vorrangig auf den Namen Michael Phelps personalisiert. "Er hat das Schwimmen mehr als jeder andere verändert, und sein Comeback wird erneut ein großer Schub sein - egal, wie gut er ist", sagt Rowdy Gaines, dreimaliger Olympiasieger von 1984 und heutiger TV-Experte.

Phelps hat sich nach den "Breaking News" ("Chicago Tribune") noch nicht geäußert. Am ersten Tag der Wettbewerbe in Mesa will er über 100 Meter Freistil und 100 Meter Schmetterling antreten. Sollte er sich für die Finals qualifizieren, wird er entscheiden, in welchem Endlauf er antritt. Für den zweiten Tag sind laut Trainer Bob Bowman die 50 Meter Freistil und eventuell "nur zum Spaß" die 50 Meter Schmetterling geplant. Phelps will auf Starts in den kraftraubenden Lagen-Wettbewerben verzichten.

Bowman betonte, bevor sein Schützling nicht im Wettkampf geschwommen sei, wisse man gar nichts. "Er wird sich schon nicht blamieren und konkurrenzfähig sein. Aber der Unterschied ist, dass er nur halb so viel trainiert wie früher", erklärte Bowman.

Knapp 20 Monate nach seinem letzten Rennen bei den Sommerspielen in London wird Phelps\' Rücktritt vom Rücktritt mit dem von Michael Jordan verglichen. Der Basketball-Überflieger kam knapp drei Jahre nach seinem vermeintlich letzten NBA-Spiel für die Chicago Bulls im Trikot der Washington Wizards zurück. Seine letzte Aktion für die Bulls war der siegbringende Wurf zum entscheidenden 87:86-Erfolg in der Finalserie 1998 gegen die Utah Jazz.

Jordans spätere Auftritte mit den Wizards hatten nie derartig dramatische Züge, trotzdem freuten sich alle, dass "Air Jordan" noch ein paar Jahr durch Amerikas Arenen flog. Deshalb sieht die Tageszeitung "USA Today" kein Risiko darin, dass sich in Phelps der erfolgreichste Athlet der Olympia-Geschichte nun noch einmal auf den Startblock stellen will. "Ein missglücktes Comeback wäre ein kurzes Kapitel am Ende einer Rekord-Karriere."

Eine zweite Schwimm-Laufbahn war dem Seriensieger der Sommerspiele 1972 von München, Mark Spitz, nicht vergönnt. "Nun gibt es einen Neubeginn, und ich freue mich darauf mitzuverfolgen, wie es weitergeht", sagte Spitz im Interview der Nachrichtenagentur dpa. "Ich glaube, es wäre einfacher für ihn, sich auf eine, vielleicht zwei Strecken zu konzentrieren und nicht auf sechs oder acht. Er ist der erfahrenste Schwimmer der Welt, er kommt zurück, um zu gewinnen."

Der Präsident des Weltschwimmverbandes FINA hat das Comeback von US-Star Michael Phelps begrüßt. Der Amerikaner sei "ganz und gar eine Legende", sagte Julio Maglione der dpa. "Ich hoffe, dass er die gleichen Erfolge haben wird, aber falls er sie nicht haben sollte, wäre es für mich das Gleiche." Seine Rückkehr könne als Vorbild dienen, meinte der Uruguayer Maglione: "Er kann zeigen, wozu ein Mensch fähig ist."