Magdeburg - Mehr als drei Monate nach der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte mit Passbild haben Zehntausende Sachsen-Anhalter noch keine aktuelle Karte. Das Problem zieht sich durch alle großen Krankenkassen, wie eine dpa-Umfrage ergab. Gründe sind Unwissenheit über die Änderung oder auch Skepsis gegenüber der elektronischen Datenspeicherung, hieß es. Derzeit gewähren Kassen und Ärzte allerdings noch eine Übergangsfrist.

Bei Sachsen-Anhalts größter Krankenkasse, der AOK, sind nach Angaben von Sprecher Wilko Petermann 97,5 Prozent der rund 700 000 Versicherten mit der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) versorgt. Damit haben aber allein hier rund 17 500 Menschen keine gültige Karte. Betroffene hätten trotzdem den vollen Anspruch auf Leistungen der Kasse. Um das nachzuweisen, müssten sich Patienten dann in einem AOK-Kundencenter einen Behandlungsschein holen - der ist dann für drei Monate gültig.

Bei der zweitgrößten Krankenkasse in Sachsen-Anhalt, der IKK gesund plus mit landesweit 327 000 Versicherten, haben noch knapp drei Prozent kein Lichtbild eingereicht und daher keine aktuelle Karte ausgestellt bekommen, berichtete Sprecher Gunnar Mollenhauer. Bis zum Ablauf der Übergangsfrist Ende September würden aber auch "säumige" Versicherte unbürokratisch behandelt. Im Herbst hoffe man, dass alle Patienten die Karte haben.

Die Barmer GEK erklärte, fast 12 000 ihrer rund 300 000 Versicherten im Land hätten keine neue Karte. Patienten ohne Karte würden nicht nach Hause geschickt, müssten aber binnen zehn Tagen einen gültigen Versicherungsnachweis einreichen. "Sonst ist der Arzt berechtigt, dem Versicherten die Behandlungskosten privat in Rechnung zu stellen", erklärte Sprecher Thomas Nawrath.

Auch die DAK berichtete, rund vier Prozent ihrer 180 000 Kunden hätten keine neue Karte. Schwierigkeiten gebe es wegen der Übergangsfrist nicht. Die KKH Kaufmännische Krankenkasse teilte mit, von rund 3000 der 100 000 Versicherten fehlten noch die Lichtbilder, um die elektronische Gesundheitskarte ausstellen zu können. Patienten würden fälschlich davon ausgehen, dass das aufgedruckte Ablaufdatum in der alten Karte ohne Lichtbild noch gelte. Das würden manche Ärzte derzeit auch noch akzeptieren.

Die Techniker Krankenkasse (TK) mit rund 130 000 Versicherten im Land erklärte, der Anteil der Patienten ohne neue Karte sei verschwindend gering und werde nicht nach Bundesland erfasst. Der Landesverband Mitte der Betriebskrankenkassen (BKK) meinte, bei den größten seiner Einzelkassen hätten 96 bis 99 Prozent der Versicherten die neue Karte. Die Akzeptanz unter den zusammen rund 181 000 Versicherten der BKK in Sachsen-Anhalt sei teils höher als im Bundesdurchschnitt.