Mesa - Michael Phelps war kaum aus dem Wasser, da stand er schon vor der ersten Kamera. Phelps schnaufte und hechelte nach seinem ersten Rennen seit knapp 20 Monaten noch - dennoch bekam er kaum Zeit zum Luft holen. Der Überschwimmer ist zurück und sofort wieder im medialen Mittelpunkt.

628 Tage war der Rekord-Olympionike weg, beim Grand Prix-Meeting in Mesa/Arizona tauchte er wieder auf. "Ich fühle mich wie ein zehnjähriges Kind und genieße es einfach, wieder im Pool zu sein und Wettkämpfe zu bestreiten", betonte Phelps und sagte nach Platz zwei über 100 Meter Schmetterling: "Ich bin selbst mein größer Kritiker und weiß, dass ich es besser kann."

Als er im letzten der 14 Vorläufe über die 100 Meter Schmetterling antrat, waren die Augen im Skyline Aquatic Center auf ihn gerichtet. Knapp 500 Schwimmer sind zu dem dreitägigen Event in die Wüste von Arizona gekommen. Unter ihnen Ryan Lochte und Phelps\' Trainingspartner, 200 Meter-Freistil-Olympiasieger Yannick Agnel aus Frankreich. Doch alles fokussierte sich auf Phelps. Irgendwann zwischen dem letzten Rennen 2012 in London und den ersten Trainingseinheiten im vergangenen Herbst mit Coach Bob Bowman hatte er mal 13 Kilogramm zugenommen. In Mesa stand jedoch ein ziemlich austrainierter Phelps auf dem Startblock. Drei Kilo würden ihm noch zum Wettkampfgewicht von London fehlen, ließ er wissen.

Im Vorlauf (52,84 Sekunden) war niemand schneller als der 18-fache Olympiasieger aus Baltimore. Im Finale unterlag Phelps dann zwar Lochte. Doch der Dauerrivale schwamm in 51,93 Sekunden die weltweit zweitschnellste Zeit des Jahres - und Phelps machte einige Fehler. "Am Start hat das Timing gefehlt, bei der Wende hat er einen Zug ausgelassen und als er seinen Rhythmus hatte, war das Rennen schon gelaufen", analysierte Bowman. Dennoch war sein Schützling mit den 52,13 Sekunden so schnell wie Deutschlands Nummer eins, Steffen Deibler. Beide haben die weltweit bislang die fünftschnellste Zeit erzielt.

Die Niederlage gegen Lochte war für Phelps schnell vergessen. Ihm geht\'s derzeit einfach um\'s Erlebnis und noch nicht so sehr um das Ergebnis. Der 28-Jährige lacht auffällig viel und ausgelassen. Phelps betont immer wieder, dass er einfach Spaß habe - und genau das sieht man ihm an. Nicht nur er ist froh, wieder im Becken zu sein, auch die Schwimm-Szene atmet auf - allen voran Lochte.

"Als er abtrat, hat das mein Herz ein bisschen gebrochen, denn ich liebe es, neben ihm auf dem Startblock zu stehen und gegen ihn zu schwimmen", meinte der zweite große US-Schwimmstar der vergangenen Jahre. Jetzt, da Phelps wieder da sei, habe er sein Lächeln wieder, so Lochte.

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es die Duelle zwischen Michael Fred Phelps und Ryan Steven Lochte. Und dennoch haben Amerika und die Schwimm-Welt noch nicht genug davon. "Michael wieder dabei zu haben, hilft. Denn wir werden uns gegenseitig pushen und versuchen, Ihnen eine gute Show zu bieten", betonte Lochte. Man werde in jedem Rennen bis zum Ende kämpfen, ergänzte Phelps. Wohin dieser Ehrgeiz führen soll, lässt er noch offen. Die Tageszeitung "USA Today" bezeichnete beide aber bereits als die "US-Titanen" auf dem Weg zu den Sommerspielen 2016.

Das ominöse O-Wort hat Phelps bislang noch vermieden. Rio reizt ihn, keine Frage. Doch Rio ist noch mehr als zwei Jahre hin. Und allein beim Gedanken an die drei Übungseinheiten pro Tag im Trainingslager Ende Mai in Colorado Springs holt er tief Luft und runzelt die Stirn. Mutter Debbie hat immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass sie mit ihrem Michael zu den Sommerspielen wolle. Man werde nach Rio reisen - allerdings als Zuschauer, hatte der Sohnemann nach London versprochen. Mittlerweile sind jedoch viele überzeugt, dass sein Comeback in Mesa der Startschuss zu einem Phelps-Festival bei den Sommerspielen am Zuckerhut gewesen ist.