Mannheim - Aus der Absagenflut für Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina ist wenige Tage vor dem WM-Beginn ein Luxusproblem geworden.

Vor der schwierigen Spielerintegration der DEL-Finalisten aus Köln und Ingolstadt muss Cortina in der Vorbereitung bislang überzeugende Akteure aus dem Kader streichen und tut sich schwer damit. "Um ganz ehrlich zu sein: Das ist die vielleicht schwierigste Phase, weil ich Entscheidungen treffen muss. Ich muss Spieler enttäuschen, und das ist nie einfach für einen Trainer. Aber das gehört zum Job dazu", sagte Cortina am Rande des beeindruckenden 2:0-Sieges seines Rumpfteams gegen Vizeweltmeister Schweiz in Mannheim.

Auch ohne etliche Leistungsträger - in Minsk stehen vom 9. bis 25. Mai gut zwölf eigentlich sichere Kandidaten nicht zur Verfügung - spielte sich das deutsche Team bereits in WM-Form. "Wir werden als Mannschaft jede Woche besser. Das zeigt, dass wir mithalten können", sagte Verteidiger Justin Krueger. Wegen der Verletzungsmisere bekamen einige Talente ihre Chance und nutzten sie eindrucksvoll. Allen voran Mega-Talent Leon Draisaitl, der schon als kommender NHL-Superstar gehandelt wird, und Tobias Rieder, der in seiner ersten Saison in der nordamerikanischen Profiliga AHL mit 48 Scorerpunkten überzeugte. "Die sind wirklich unglaublich und bringen unheimlich Energie in die Mannschaft", lobte Krueger das Duo, das großen Anteil am Sieg gegen den WM-Vorrundengegner Schweiz hatte.

Der 21 Jahre alte Rieder aus Portland stieß erst zu den Tests gegen Rekordweltmeister Russland (2:4 und 3:0) vergangene Woche zum Team und explodierte am Freitag regelgerecht. Eine Vorlage zum 1:0 durch Daniel Pietta (29. Minute) und ein Tor zum 2:0 nach kongenialem Zusammenspiel mit Draisaitl (35.) brachten ihm die Auszeichnung zum besten Spieler des Spiels ein. "Die letzten zwei Wochen waren wirklich überragend. Die ersten zwei Länderspiele und dann die Russen zu schlagen. Das war natürlich gigantisch, und dann mein erstes Länderspieltor zu schießen - ich kann mich nicht beschweren", meinte Rieder, dessen erste WM-Teilnahme als sicher gelten dürfte.

"Er steht immer zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Das ist seine erste Woche bei uns, aber er entwickelt sich so schnell. Er kann mit Sicherheit bei der WM eine große Verstärkung bedeuten", äußerte sich der Bundestrainer recht eindeutig. Auch Draisaitl, der noch keine Profisaison gespielt hat und aus der kanadischen Nachwuchsliga WHL zur Nationalmannschaft stieß, verblüfft immer wieder. "Ich habe noch nie einen 18-Jährigen gesehen, der so weit ist: Handfertigkeit, Körperbau, Muskeln", lobte Sturmpartner Matthias Plachta.

Es dürfte andere Spieler getroffen haben, die Cortina noch am späten Freitagabend trotz bislang überzeugender Leistungen über ihr WM-Aus informierte. Namen nennen wollte der Italo-Kanadier aber noch nicht: Am Wochenende könnten ja erneut sicher geglaubte WM-Teilnehmer noch absagen. Als Kandidaten aus Ingolstadt gelten neben Torhüter Timo Pielmeier vor allem Verteidiger Patrick Köppchen und Stürmer Thomas Greilinger. Aus Köln nannte Cortina namentlich Torhüter Danny aus den Birken, die Verteidiger Moritz Müller und Torsten Ankert sowie die Stürmer John Tripp und Philip Gogulla.

Die letztendlich Nominierten stoßen am Montag zum Nationalteam, das einen Tag später in Nürnberg den letzten Test gegen die USA spielt. Am Mittwoch fliegen beide Teams dann zusammen nach Minsk. Dort startet Deutschland am kommenden Samstag nach weiteren schwierigen Entscheidungen Cortinas gegen Kasachstan. Bei der WM dürfen maximal 25 Spieler zum Einsatz kommen, in Mannheim standen noch ohne die Profis der DEL-Finalisten 26 Mann im Kader.