Magdeburg - Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr 118 ärztliche Behandlungsfehler nachgewiesen und damit 11 mehr als noch 2012. Insgesamt seien 751 Gutachten zu möglichen Behandlungsfehlern erstellt worden (2012: 789), teilte der Medizinische Dienst (MDK) am Dienstag in Magdeburg mit.

Mit dem Verdacht auf eine falsche Behandlung durch ihren Arzt wenden sich Patienten in erster Linie an ihre Krankenkasse, wie der MDK weiter berichtete. Er werde dann erst im Auftrag der Kassen tätig, deshalb könne die Gesamtzahl der Patienten, die sich fehlbehandelt fühlten, nicht benannt werden.

Trotz verstärkter Bemühungen vieler Krankenhäuser zur Vermeidung von Fehlern sind die Risiken für die Patienten in Deutschland aus Sicht der Krankenkassen nach wie vor viel zu hoch. "Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar", sagte der leitende Arzt des Medizinischen Dienstes des Kassen-Spitzenverbands (MDS), Stefan Gronemeyer, bei der Präsentation der neuen MDS-Statistik zum Thema am Dienstag in Berlin.

Jeder vierte Fall ein Behandlungsfehler



Allein der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK)erstellte demnach 2013 rund 14 600 Gutachten wegen Verdachts auf Fehler. Knapp 3700 Mal kamen die MDK-Gutachter zu dem Ergebnis, dass ein Behandlungsfehler vorliegt. Auch bei den Gutachterstellen der Ärzteschaft wurde in rund jedem vierten der untersuchten Fälle ein Fehler festgestellt. Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte wenden, ist unbekannt. Die Dunkelziffer ist laut MDS zudem hoch.

Dass sich mehr Menschen beschwerten, liegt laut Gronemeyer unter anderem an mehr öffentlicher Wachsamkeit in dem Bereich und an neueren gesetzlichen Erleichterungen etwa durch das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz. Rund sieben von zehn Vorwürfen richten sich gegen Krankenhäuser, ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte.

Am häufigsten hegen Patienten einen Fehlerverdacht nach einer Operation. Insbesondere nach dem Einsatz von Knie- oder Hüftgelenksprothesen haben viele den Eindruck, dass etwas schief gelaufen ist - und lassen die Therapie mit zuletzt mehr als 1000 Fällen überprüfen. Mit mehr als der Hälfte der Fälle liegt bei der Quote der Bestätigungen eines Fehlerverdachts jedoch die Pflege vorn.

Gronemeyer lobte, dass es neue Vorgaben zur Einführung von Fehlermelde- und Risikomanagementsystemen in den Kliniken und Praxis gibt. Doch er kritisierte: "Derzeit ist festzustellen, dass Maßnahmen zur Vermeidung von Behandlungsfehlern nicht ausreichend umgesetzt sind." Es brauche eine verstärkte Sicherheitskultur. "Der erforderliche Kulturwandel ist aber bestenfalls eingeleitet."

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, gab zu bedenken: "Angesichts von fast 700 Millionen Behandlungsfällen im ambulanten Bereich und mehr als 18 Millionen Fällen in den Kliniken jährlich bewegt sich die Zahl der festgestellten ärztlichen Behandlungsfehler im Promillebereich."