Rostock - Ein halbes Jahr nach dem von Ausschreitungen begleiteten Drittliga-Spiel des FC Hansa Rostock gegen den Halleschen FC ist ein 23-jähriger Hansa-Anhänger verurteilt worden. Das Amtsgericht Rostock verhängte gegen den Mann aus Gadebusch wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Vermummungsverbot eine achtmonatige Haftstrafe, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem soll er 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, teilten die Polizei und der Fußball-Drittligist am Mittwoch mit. Das Urteil wurde am 29. April gesprochen und ist bereits rechtskräftig, sagte eine Gerichtssprecherin.

Gegen 20 weitere Randalierer liegen laut Staatsanwaltschaft Anklagen vor. Wann es die nächsten Prozesse gibt, wurde nicht mitgeteilt. Zudem sei der Erlass von elf Strafbefehlen mit zum Teil erheblichen Geldstrafen beim Amtsgericht beantragt worden. Durch umfangreiche Videoanalysen seien insgesamt 107 Personen identifiziert worden, denen konkrete Straftaten zugeordnet würden. Die Ermittlungen seien aber noch nicht vollständig abgeschlossen.

Bei dem Spiel Ende Oktober 2013, das Hansa 2:1 gewann, hatten rund 150 Hansa-Fans versucht, am Stadion Gäste-Fans zu verprügeln. Der Polizei war es nach eigenen Angaben gelungen, dies zu verhindern. Dabei seien aber Einsatzkräfte mit Steinen und Pyrotechnik beworfen worden. Zudem gingen Busscheiben zu Bruch.

Wegen fortwährender Fan-Randale steht Drittligist Rostock seit langem in der Kritik. Bei sieben Spielen der laufenden Saison hatte es Vorkommnisse mit Rostocker Zuschauern gegeben. Erst vor wenigen Tagen griffen zudem aggressive Hansa-Fans auf dem Bahnhof in Schwerin durchreisende Anhänger des Bundesligisten Hertha BSC an.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte dem Verein vor kurzem eine Geldstrafe von 20 000 Euro auferlegt. Außerdem zog Hansa als Konsequenz der erneuten Fan-Verfehlungen auch die Berufung gegen ein am 17. April gefälltes Sportgerichts-Urteil zurück. Rostock war dort wegen zwölf Fällen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger ebenfalls zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro verurteilt worden. Zudem will der Traditionsverein mit einem sieben Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog mithelfen, schwere Ausschreitungen künftig zu verhindern. Beim letzten Heimspiel der Saison an diesem Samstag gegen den SV Wehen Wiesbaden bleibt außerdem die Fan-Südtribüne des Rostocker Stadions geschlossen.

Polizei und Staatsanwaltschaft machten deutlich, dass sie Gewalttäter in und an Stadien konsequent verfolgen werden. "Aus diesem Grund ist bei der Staatsanwaltschaft Rostock ein Sonderdezernat für diese Straftaten eingerichtet worden, wodurch eine zügige Aufklärung und rasche Anklageerhebung bei hinreichendem Tatverdacht gewährleistet wird", erklärte Behördensprecher Holger Schütt.

Hansa-Vorstandsmitglied Rainer Friedrich kündigte an, bei der Aufklärung von Straftaten "sehr eng" mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten zu wollen. "Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit den Konsequenzen leben - wir werden auch in Zukunft mit Hilfe unserer Sicherheitspartner rigoros gegen Straftäter vorgehen und diese aus den Fußballstadien verbannen", betonte er. Bislang seien 21 Stadionverbote ausgesprochen worden.