Nürnberg - Die wochenlange WM-Vorbereitung war für Eishockey-Nationalspieler Felix Schütz schnell abgehakt. Nun zählt für ihn nur noch ein erfolgreicher Auftakt in Minsk.

"Man gewinnt das erste Spiel und dann wird man von Spiel zu Spiel besser", meinte der Stürmer von Admiral Wladiwostok nach dem 1:3 im abschließenden Test gegen die USA und warnte: "Es kann auch genau andersherum gehen, du kannst das erste Spiel verlieren und dann werden alle nervös."

Froh sei er, dass die bedeutende Begegnung mit Außenseiter Kasachstan gleich zu Beginn am Samstag anstehe. Da sei das Team am fittesten und euphorisch, erklärte Schütz noch in den Katakomben der Nürnberger Arena. Zwei Stockwerke höher zeichnete Bundestrainer Pat Cortina wenige Minuten später ein etwas anderes Bild. Klar, das nächste Spiel sei immer das wichtigste.

Doch selbst kurz vor dem ersten WM-Auftritt stellte der Coach das Ergebnis nicht als das Entscheidende dar. Eine ansprechende, zufriedenstellende Leistung ist ihm wichtiger als ein Sieg. "Wenn du keinen Erfolg im ersten Spiel hast, hast du noch immer sechs weitere Partien zu spielen", erklärte Cortina und erweckte den Anschein, seiner Auswahl damit ein wenig den Druck nehmen zu wollen.

Nicht dabei sein werden die beiden Verteidiger Daryl Boyle vom EHC Red Bull München und der Mannheimer Nikolai Goc. Das Duo fand im vorläufigen 26-köpfigen Aufgebot keine Berücksichtigung, das Cortina am Mittwoch bekanntgab.

Am zweiten Turniertag trifft das deutsche Team, das erst am Montag noch mit Spielern des DEL-Finalisten Köln aufgefüllt wurde, auf Kasachstan. Nur 24 Stunden später folgt das Duell mit Lettland. Siege gegen diese Teams müssten bei dem weiteren Programm gegen Eishockey-Hochkaräter wie Finnland und Russland und einem erneuten Aufeinandertreffen mit den USA fast schon eingeplant werden.

Statt sich zu sehr mit den Gegnern zu beschäftigen, verlangte Cortina, den Fokus auf die eigenen Stärken zu richten. "Wir müssen Deutschland sein, wir können nicht so viel darüber nachdenken, wie der Gegner spielt", befand der Italo-Kanadier. "Wenn wir anfangen zu spekulieren, wie stark oder wie schwach die Gegner sind, schwächen wir uns selbst." Enthusiasmus, Kampf und eine standhafte Defensive sollen dem mit jungen Spielern bestücktem Team zum Erfolg verhelfen.

Was bislang war, gilt es, beiseitezuschieben. Der Schlappe gegen die mit NHL-Spielern gespickten Auswahl aus den USA konnte Schütz sogar etwas Positives abgewinnen. "Wir waren, ich will jetzt nicht sagen in Euphorie, aber wir haben gut gespielt, und es war ein gutes Gefühl für uns, dass wir noch nicht Kanada sind." Verbesserungspotenzial hat er bei sich und seinen Kollegen im Angriff ausgemacht: "Wir müssen die Scheibe noch mehr zum Tor bekommen und noch mehr schießen, viel schießen und viel Druck aufs Tor machen."

Das Viertelfinale ist das persönliche Ziel des 26-Jährigen. Von der fünften Niederlage im achten WM-Testspiel wollte er sich nicht beeinflussen lassen. "Bislang haben wir eine gute Vorbereitung gespielt - die Amerikaner sind ein Eishockey-Land, da darf man auch mal 1:3 verlieren." Nach dem Anreisetag am Mittwoch bleiben der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes noch Donnerstag und Freitag für die finale Vorbereitung. Zeit genug, um das letzte notwendige Quäntchen herauszukitzeln, findet der hochgelobte Youngster Leon Draisaitl. "Jetzt geht es los, jetzt geht es ans Eingemachte", blickte der 18-Jährige voraus. "Wir werden auf jeden Fall fertig sein."