Minsk - Den Rückschlag gegen Angstgegner Finnland wollte die deutsche Eishockey-Auswahl einfach nur so schnell wie möglich abhaken. Gleich mit 0:4 (0:2, 0:2, 0:0) verloren die Deutschen gegen den zuvor punktlosen Olympia-Dritten.

Das junge Team verpasste weitere Punkte im Rennen um die Viertelfinal-Qualifikation bei der Weltmeisterschaft und landete auf dem Boden der Tatsachen. Den Blick richteten die Deutschen schon wenige Minuten nach der bislang schlechtesten Turnierleistung nach vorn. "Die wichtigen Spiele kommen noch", erklärte Russland-Legionär Felix Schütz in den Katakomben der Minsk-Arena und dachte dabei auch an die Partie gegen die Schweiz.

Gegen den ebenfalls schlecht gestarteten Vize-Weltmeister von 2013 muss sich das Team von Bundestrainer Pat Cortina an diesem Mittwoch (15.45 Uhr) erheblich steigern, um die Chance auf die K.o.-Runde zu wahren. "Ich denke, dass das ein ähnliches Spiel wird wie heute. Die Schweizer brauchen die Punkte genauso wie die Finnen", warnte Kapitän Frank Hördler.

Nach fünf Punkten aus den Auftaktsiegen gegen Kasachstan und Lettland erkannte Marcus Kink auch in der "Rechnerei" eine mögliche Erklärung für das Debakel. "Vielleicht haben wir zu viel auf unsere Punkte geguckt und angefangen zu rechnen", vermutete der Stürmer, "das ist Blödsinn. Wir müssen uns auf jedes Spiel konzentrieren. Es kann sein, dass das eine gute Lehrstunde für uns heute war." Sein Teamkollege Schütz rechnete dennoch vor: "Nach meiner Meinung brauchen wir elf Punkte, um ins Viertelfinale zu kommen." Der Abstieg bleibt vorerst so gut wie ausgeschlossen, nachdem die Kasachen knapp 4:5 gegen die Letten verloren und bei einem Zähler verharrten.

Gegen die Finnen, gegen die Deutschland nun schon seit 21 Jahren auf einen WM-Sieg wartet, kam das von Cortina umgestellte Team nur schwer in die Partie und war im Abschluss viel zu harmlos. "Wir wussten, dass die Finnen bereit waren und haben zugeschaut, wie bereit sie waren. Das hat uns den Sieg gekostet", analysierte der Coach. Die mit null Punkten aus zwei Spielen unter Druck geratenen Suomis begannen druckvoll und sorgten immer wieder für Gefahr vor dem deutschen Tor.

Zwei Tore im ersten Drittel, zwei in der Drangphase der Deutschen im zweiten - und das Spiel war gelaufen. Kompromisslos nutzten Petri Kontiola (10. Minute), Jarkko Immonen (15.), Olli Palola (32.) und Leo Komarov (33.) ihre Chancen. "Es ist ärgerlich, wenn man eine angeschlagene Mannschaft so ins Spiel kommen lässt", sagte Kink.

Vor allem die Defensive war gegen Finnland nicht wiederzuerkennen. Im Gegensatz zum 3:2 am Sonntag gegen Lettland stand der Berliner Rob Zepp wieder für Philipp Grubauer im Tor. Zudem hatte Cortina erstmals bei dieser WM den Mannheimer Verteidiger Denis Reul aufgeboten. Die Umstellungen bekamen dem deutschen Spiel überhaupt nicht.

Beim Führungstor zeigte vor allem der Kölner Torsten Ankert ein schwaches Defensivverständnis und verweigerte den Körpereinsatz. Beim 0:2 fehlte die Koordination. Hinzu kam im ersten Drittel eine völlig ungefährliche Offensive ohne jegliche Torgefahr. 3:16 Torschüsse bis zur ersten Pause machten dies deutlich. Im zweiten Drittel kam Deutschland besser im Spiel und agierte nun offensiver und körperbetonter. In Überzahl verpasste es der Mannheimer Frank Mauer, ins leere Tor den Anschluss zu erzielen (27.).

Dieser Druckphase nahmen die Finnen mit einem Doppelschlag die ganze Wucht: Palola aus der heimischen finnischen Liga und Russland-Legionär Komarov mit einem durch Zepps Schoner gelegten Schuss sorgten binnen 30 Sekunden für die Entscheidung. "Wir haben heute nicht unser wahres Gesicht gezeigt. Vielleicht war der Tank ein wenig leer", befand Cortina. Der 49-Jährige zeigte sich überzeugt: Am Mittwoch wird es seine junge Truppe wieder besser machen.