Minsk - Deutschlands Eishockey-Nationalmannschaft hat trotz der bislang besten Turnierleistung gegen Rekordchampion Russland das WM-Viertelfinale endgültig verpasst.

Das junge Team von Bundestrainer Pat Cortina verlor unglücklich mit 0:3 (0:0, 0:0, 0:3) gegen den großen Favoriten um Superstar Alexander Owetschkin. Die Treffer für die "Sbornaja" erzielten Wadim Schtschipatschow (44. Minute) in Überzahl nach einer fragwürdigen Strafzeit gegen den Mannheimer Marcus Kink, Sergej Schirokow (51.) und Viktor Tichonow (60.), der ins leere deutsche Tor traf.

"Wenn wir auf der Strafbank sitzen, können wir nicht gewinnen", schimpfte der überragende deutsche Torhüter Philip Grubauer, der zum besten Spieler der Partie gekürt wurde. Nach der vierten Pleite in Serie kann die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) wie schon 2012 und 2013 die Runde der letzten Acht nun nicht mehr erreichen. Am Dienstag gegen die USA (11.45 Uhr) geht es nun noch um wertvolle Punkte für die Weltrangliste, die über die Qualifikation für Olympia 2018 entscheidet.

Einen Tag nach dem bitteren 2:5 gegen WM-Gastgeber Weißrussland zeigte das junge deutsche Team vor 14 021 Zuschauern noch einmal Charakter und ärgerte den Gruppensieger lange. Bei den Russen musste Superstar Owetschkin im Schlussdrittel verletzt vom Eis. Bis dahin hatte der Stürmer der Washington Capitals kaum Akzente setzen können.

Von Motivationsproblemen nach der Niederlage im wichtigen Spiel am Samstag war im deutschen Spiel nichts zu spüren. "Kompliment an die die Mannschaft, dass sie noch einmal so gekämpft hat", sagte Stürmer Kink. Das Cortina-Team startete engagiert und kämpfte um seine Minimalchance auf das Viertelfinale.

Deutschland blieb auch lange im Spiel, weil Cortina mit seiner Torhüterwahl diesmal deutlich besser lag als zuletzt. Wie im zweiten WM-Spiel gegen Lettland (3:2) vertraute Cortina auf Grubauer, der in der laufenden NHL-Saison bereits einige Spiele mit Owetschkin zusammen in Washington auf dem Eis gestanden hatten. Der Berliner Rob Zepp, dem Cortina bislang den Vorzug gegeben hatte, war nach zahlreichen Patzern zuletzt dagegen gar nicht im Aufgebot.

Wie das gesamte deutsche Team stand Grubauer gegen den Favoriten sicher. Auch zahlreiche Unterzahlsituationen - selbst mit drei gegen fünf im ersten Drittel - überstand die DEB-Auswahl gegen die spielstarken Russen lange. Ohne die angeschlagenen Torsten Ankert und Russland-Legionär Felix Schütz agierte Deutschland auch im Mitteldrittel kompakt und ärgerte die Russen.

In Grubauer fand die "Sbornaja" zudem lange ihren Meister. Der 22 Jahre alte Keeper der Hershey Bears deutete an, dass die Deutschen mit ihm im Tor in den vergangenen Spielen möglicherweise bessere Chancen auf das Viertelfinale gehabt hätten. Vor allem beim 2:5 am Samstag hatte Cortinas Nummer eins Zepp entscheidend gepatzt.

Auch offenbarte das ersatzgeschwächte deutsche Team in Weißrussland zu oft seine eklatante Abschlussschwäche. Auch am Sonntag war dies mit ausschlaggebend für die verpasste Überraschung. Zudem kamen einige fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen hinzu. Beim Führungstor etwa saß Kink fälschlicherweise auf der Strafbank. Zudem hätte der Treffer wegen Behinderung Grubauers nicht zählen dürfen.