Dresden - Um 12.03 Uhr kam Stefan Böger durch die Hintertür und grüßte mit einem zurückhaltendem "Hallo" in die Runde der wartenden Journalisten. In den kommenden Wochen und Monaten wird Böger bei Fußball-Drittligist SG Dynamo Dresden aber im Vordergrund stehen. Der 47 Jahre alte Erfurter ist neuer Trainer des Zweitliga-Absteigers und unterzeichnete einen Zweijahresvertrag bis 30. Juni 2016, der für die 2. Bundesliga und die 3. Liga gültig ist.

Die laut bekundeten Hoffnungen der Fans, sofort nach dem Abstieg den Wiederaufstieg zu schaffen, bremste der ehemalige DDR-Auswahlspieler aber sofort ein. "Ich weiß, dass die Erwartungshaltung in Dresden nach dem Abstieg sehr groß ist. Dennoch sind realistische Ziele wichtig. Wir müssen auf dem Rasen die Grundlage dafür schaffen, die Fans zu begeistern. Wir wollen nicht so oft Unentschieden, sondern eher auf Sieg spielen und wollen mit unserem Fußball dafür sorgen, dass wir die Anhänger mitnehmen", sagte Böger am Freitag bei seiner Vorstellung im Glücksgas Stadion.

Nach sechs Jahren Tätigkeit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), bei dem er die U16 und U17 Auswahl betreut hat, ist Dynamo nach den zweiten Mannschaften des Hamburger SV (2002-2003) und FC Hansa Rostock (2003-2004) sowie dem VfB Lübeck (2004-2006) und Holstein Kiel (2006-2007) Bögers vierte Vereinstrainer-Station. "Ich habe schon seit längerem ein Gefühl in mir gespürt, das nach Veränderung riecht", erklärte der ehemalige Profi.

Der neue Mann findet in Dresden nach dem Abstieg keine einfachen Bedingungen vor. Nur elf Spieler besitzen einen gültigen Vertrag für die 3. Liga. Der Etat für die Lizenzspielerabteilung ist auf 2,8 Millionen Euro geschrumpft. "Wir wollen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen jungen und erfahrenen Spielern schaffen. Wir werden aber auch speziell aus dem jüngeren Segment verpflichten und Stefan ist einer, der die Qualität hat, Spieler besser zu machen", ist Sportgeschäftsführer Ralf Minge vom neuen Mann auf der Trainerbank überzeugt.

Momentan steht der 47-Jährige noch beim DFB unter Vertrag und wird mit seiner U16-Auswahl am 4. Juni ein Länderspiel in Frankreich bestreiten, bevor er bei Dynamo auf dem Rasen stehen kann. "Dennoch werden ab heute Gespräche mit Spielern geführt. Auch mit Co-Trainern haben wir bereits gesprochen. Wir müssen sehen, welcher Mann da am sinnvollsten für Verein und Spieler ist, nicht für Stefan Böger", erklärte der Chef-Coach zur Auswahl.

Böger kennt noch keinen seiner neuen Spieler persönlich, konnte sich aber gut an seine aktive Zeit erinnern. "An meinem 19. Geburtstag habe ich mein erstes DDR-Oberligaspiel für Carl Zeiss Jena hier im Dynamo-Stadion gegen die Schwarz-Gelben" gemacht", sagte Böger. Jetzt will er so schnell wie möglich an die Elbe ziehen: "Das gehört dazu und schafft Bindung zu Stadt und Verein."