Paris - Tapfer winkte die gedemütigte Titelverteidigerin beim Abschied noch den Pariser Tennis-Fans zu, die kaum glauben konnten, was sie da gesehen hatten. Allzu lange Auskunft geben mochte Serena Williams nach ihrem Zweitrunden-Aus bei den French Open dann auch nicht.

"Nur noch eine Frage bitte, ich bin echt frustriert", bat die Weltranglisten-Erste am Mittwoch nach dem völlig überraschenden 2:6, 2:6 gegen Garbiñe Muguruza aus Spanien. Für die Nummer 35 der Welt war der Triumph der größte Erfolg ihrer Karriere. "Ich bin sehr glücklich!", rief die 20-Jährige den Zuschauern im Interview auf dem Court Suzanne Lenglen aus Leibeskräften zu.

Schmallippig kommentierte Serena Williams dagegen einen der schwärzesten Tage ihrer ruhmreichen Karriere, in der sie unter anderem immerhin 17 Grand-Slam-Titel gesammelt hat, darunter 2002 und im vorigen Jahr auch zwei im Stade Roland Garros. "Ich fühle mich großartig", meinte die 32-Jährige nur wenige Minuten nach der Pleite sarkastisch auf die Frage nach ihrem Gemütszustand.

"Nichts hat geklappt, nichts ist zu meinen Gunsten gelaufen. Es war einer dieser Tage. Ich hasse es, so einen Tag bei einem Grand Slam zu haben, aber das passiert", sagte Williams, die nach eigenen Worten immer noch schwer mit Niederlagen umgehen kann. "Ich will gewinnen, ich will die Beste sein", unterstrich sie und sieht ihren Ehrgeiz nun aufs Neue angestachelt.

Für Williams ist es das schlechteste Abschneiden im Stade Roland Garros nach ihrem Erstrunden-Aus vor zwei Jahren gegen die Französin Virginie Razzano. Das erhoffte diesjährige Drittrunden-Duell gegen Schwester Venus war schon vor der Niederlage gegen Muguruza geplatzt, weil Venus auf dem Centre Court der Slowakin Anna Schmiedlova 6:2, 3:6, 4:6 unterlag. Serena hatte die Partie bis in den dritten Satz hinein verfolgt.

In ihrem eigenen Match haderte sie mit sich selbst und den Bedingungen, meinte danach aber, der Wind habe sie lediglich einmal gestört. Muguruza zog derweil ihr solides Sandplatzspiel durch. Nach 1:04 Stunden nutzte die 20-Jährige ihren ersten Matchball, als die Favoritin einen Aufschlag ins Netz returnierte. "Es ist unglaublich, das habe ich nicht erwartet. Heute ist ein großer Tag", sagte Muguruza nach dem nächsten Favoritensturz. Vor Serena Williams war bereits die Weltranglisten-Zweite und Australian-Open-Siegerin Li Na aus China gescheitert. Bei den Herren musste sich Australien-Champion Stan Wawrinka wie Li schon in der ersten Runde verabschieden.