Paris - Tommy Haas wirkte wie auf der Durchreise. Nicht einmal setzen mochte er sich, als er am Mittwoch nach der Erstrunden-Aufgabe bei den French Open in Paris vom anstehenden Termin bei einem Arzt am Chiemsee sprach.

Bloß schnell weg von dem Ort, wo die vermaledeite rechte Schulter wieder zu wehtat, und hin zum Mediziner des Vertrauens, der die neuerliche Ungewissheit vor der Tennis-Rasensaison beseitigen soll. Im Stade Roland Garros hatte Haas in seiner Schulter etwas gespürt und auch gehört.

Die Frage für ihn ist nicht, ob er überhaupt noch einmal aufschlagen wird. "Die Frage ist, wann ich wieder anfangen kann, zu spielen", sagte der 36-Jährige. Am 23. Juni beginnt Wimbledon. Ein Verzicht auf das immer noch bedeutendste Tennis-Ereignis der Welt schien für Haas nicht vorstellbar. "Vielleicht hilft ein anderer Belag", erklärte er mit Blick auf die wesentlich kürzeren Ballwechsel auf Rasen im Vergleich zu den kräftezehrenden Rallies auf dem roten Sand.

Haas dachte auch an Turniertermine in Deutschland, wo er immer gern und oft auch erfolgreich spielt. Die Wimbledon-Generalprobe in Halle hat er zweimal gewonnen, in Hamburg begeisterte er Fans und Veranstalter 2012 mit seinem Final-Einzug. Die Zuschauer - nicht nur die deutschen - schauen dem Altmeister und Familienvater immer noch mit Vergnügen zu, und die einstige Nummer zwei der Welt feiert immer wieder feine Siege. So wie zuletzt in Rom über Australian-Open-Champion Stan Wawrinka aus der Schweiz. In Zagreb stand er Anfang Februar in seinem 28. Finale. In Paris erreichte Haas auf der einst ungeliebten Asche im vorigen Jahr erstmals in seiner fast zwei Jahrzehnte währenden Profilaufbahn das Viertelfinale.

Die Frage nach dem Karriereende wird ihm allein schon wegen des Alters überall in schöner Regelmäßigkeit gestellt. "Ich hatte schon so oft meine Gedanken", räumte Haas ein. So lange er sich abgesehen von der Schulter so gut fühlt wie momentan, sei ein Abschied für ihn schwer in Kauf zu nehmen. Wenn der gebürtige Hamburger fit ist und gutes Tennis spielt, mag er nicht ans Aufhören denken. Sollten die nächsten Wochen und Monate aber so weitergehen, werde es definitiv eine leichtere Antwort geben.

Denn seit einiger Zeit muckt die lädierte Schulter einfach zu oft auf. In Rom musste Haas im Viertelfinale aufgeben - nicht zum ersten Mal in dieser Saison. "Ich habe einen Riss in der Schulter. Nicht so extrem, dass ich keinen Sport treiben könnte", berichtete Haas und fragte sich, ob der stechende Schmerz am Dienstag nach einer Vorhand gegen den Esten Jürgen Zopp überhaupt etwas mit dem relativ kühlen Pariser Frühlingswetter zu tun hatte.

"Die letzten Wochen liefen eigentlich gut", meinte Haas und will nun schauen, ob er die neuerlichen Probleme unter Kontrolle bekommt. Eines stellte der Wahl-Amerikaner indes klar: Bei einer neuerlichen Operation ist für ihn Schluss.