Paris - Ein Match auf dem großen Court Philipp Chatrier an einem strahlenden Pariser Frühlingsabend, dazu gegen eine Französin, das Achtelfinale der French Open vor Augen: Alles war angerichtet für ein feines Tennis-Menü. Doch Andrea Petkovic hatte keinen Hunger.

Wegen ihres Magen-Darm-Virus quälte sich die 26-Jährige am Ende durch eine schwer verdauliche Partie und hat nun umso mehr Appetit auf ihr erstes Grand-Slam-Viertelfinale seit 2011. "Das ist eine Bestätigung, dass ich mit meiner Comeback-Entscheidung richtig lag. Vor einem Jahr wollte ich hier aufhören. Es ist schön, auf den großen Bühnen zurück zu sein", sagte Petkovic nach dem äußerst mühsamen 6:4, 4:6, 6:4 in der dritten Runde gegen die Französin Kristina Mladenovic.

Die immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfene Darmstädterin geht an diesem Montag als Favoritin in ihr Achtelfinale gegen die Niederländerin Kiki Bertens. Die 22-jährige Qualifikantin ist nur die Nummer 148 der Weltrangliste und steht überraschend erstmals unter den letzten 16 bei einem der vier großen Turniere.

Petkovic war dagegen vor drei Jahren gleich dreimal im Viertelfinale dabei: in Australien, Paris und bei den US Open. "Das muss hier noch lange nicht zu Ende sein", stellte Bundestrainerin Barbara Rittner fest. "Sie ist bei der Auslosung für mich nicht überraschend in der zweiten Woche. Sie hat ihre Chancen genutzt und sich durchgebissen." Im Training spiele die Weltranglisten-27. sogar noch besser.

Bislang sind Petkovic in der französischen Metropole die ganz harten Brocken auf dem Platz erspart geblieben. Dafür machte ihr seit Freitagabend etwas anderes zu schaffen. Ständig musste die Hessin auf die Toilette, vor dem Match hatte sie sogar das Gefühl, unter Fieber zu leiden und begann die Partie gegen Mladenovic emotionslos.

"Mir ging durch den Kopf: Warum muss ich mich so schlecht fühlen? Ich war wie ein Zombie", berichtete Petkovic. Als Mladenovic nach 2:21 Stunden mit einer zu langen Vorhand das von beiden Seiten nervös geführte Match mit vielen Fehlern und Aufschlagverlusten beendete, "habe ich nicht mal gemerkt, dass ich gewonnen habe", sagte Petkovic. "Ich habe nur mitbekommen, dass ich furchtbar gespielt habe."

Aus ihrer Box erhielt die Darmstädterin ständig Zuspruch von ihrem Anhang mit Trainer Eric van Harpen, auch Rittner munterte Petkovic immer wieder auf. In den entscheidenden Momenten war die seit ihrem Turniersieg in Charleston wieder zur erweiterten Weltspitze zählende deutsche Nummer drei zur Stelle.

"Ich bin energetisch komplett erschöpft, aber im Bauch geht es besser", berichtete sie anschließend. Richtig einordnen konnte Petkovic den Erfolg noch nicht. Wichtiger ist, bis zum nächsten Auftritt gegen Bertens wieder komplett zu genesen. Gespielt haben beide noch nie gegeneinander. Ob die Partie leichte Kost wird, ist offen. Klar ist, dass Petkovic im Viertelfinale gegen die ehemalige Weltranglisten-Erste Jelena Jankovic aus Serbien oder Ex-Finalistin Sara Errani aus Italien ihre ganze Kraft brauchen würde.