Paris - Andrea Petkovic hat am Samstag einen Tennis-Termin - leider nicht in Paris. Während dort ihre Halbfinal-Bezwingerin Simona Halep und Maria Scharapowa um den Titel spielen, tritt Petkovic zu einem Spaß-Doppel an der Seite von Ex-Paris-Sieger Michael Chang im westfälischen Halle an.

Vielleicht hilft das Mixed um die sogenannte Champions Trophy gegen Ivan Lendl und Julia Görges über die Enttäuschung hinweg, nicht nach der French-Open-Trophäe im Endspiel in Frankreichs Metropole greifen zu können.

Womöglich ist der schmerzliche Stachel der Niederlage im ersten Grand-Slam-Halbfinale aber schon längst entfernt. All ihre Freunde seien in Paris, berichtete Petkovic nach dem 2:6, 6:7 (4:7) gegen Halep. Eine gute Gelegenheit, um herunterzukommen nach einem aufregenden Frühjahr mit dem grandiosen Turniersieg in Charleston, dem Hammertrip zum gewonnenen Fed-Cup-Halbfinale nach Australien und dem erfolgreichsten Grand-Slam-Turnier ihrer Karriere. "Ich habe noch nicht richtig gefeiert", berichtete Petkovic nach gut zwei Monaten mit jeder Menge Adrenalinstößen auf den Plätzen und langen Reisen durch die Welt.

Eine wohl verdiente Woche zum Durchschnaufen und Verarbeiten, aber auch zum Freuen bleibt. "Ich sehe meine Karriere sehr positiv", sagte die Darmstädterin und begründete dies damit, dass sie ins Halbfinale von Paris eingezogen sei, ohne ihr bestes Tennis gespielt zu haben. "Dieses Halbfinale wird ihr viel Selbstvertrauen geben", prophezeite Bundestrainerin Barbara Rittner.

Petkovic bestätigte dies: Die Wochen im 16. Bezirk von Paris haben ihr gezeigt, wie weit sie auch bei den größten Turnieren kommen kann. Und das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft, besonders beim Aufschlag und bei der Beinarbeit. Petkovic werde mit ihrem Trainer Eric van Harpen weiter konsequent an ihren Schwächen arbeiten, da ist sich Rittner sicher. "Es ist noch ein langer Weg. Ich habe noch gute fünf oder sechs Jahre, um mich zu verbessern", sagte Petkovic, die auf Platz 20 der Weltrangliste klettern wird. Neunte war sie vor drei Jahren, das scheint erneut möglich.

Skeptisch ist die Hessin allerdings, ob sie demnächst in Wimbledon gleich wieder für Furore sorgen kann. Über Tennis auf Rasen würde die 26-Jährige am liebsten gar nicht sprechen. "Die Rasensaison kommt, juhu", scherzte Petkovic. Das grüne Gras sei nicht ihr Lieblingsbelag und werde es nie sein, auch wenn sie sich im vorigen Jahr schon etwas besser darauf gefühlt habe. "Deswegen versuche ich, positiv zu bleiben und das optimistisch zu sehen", meinte sie. Während der bislang besten Saison 2011 zog Petkovic bei drei Grand-Slam-Turnieren ins Viertelfinale ein, in Wimbledon war in der dritten Runde Schluss. Vielleicht noch ein Grund, ein bisschen mit schönen Erinnerungen in Paris zu verweilen und noch nicht an das Rasen-Mixed am Samstag in Halle zu denken.