Den Haag - Nach einem "schwarzen WM-Freitag" haben es die erfolgsverwöhnten deutschen Hockey-Teams nicht mehr selbst in der Hand, das anvisierte Mindestziel bei der WM zu erreichen.

"Ich fange nun nicht das Rechnen an. Wir werden aber alles dafür tun, um es doch noch ins Halbfinale zu schaffen", sagte Herren-Bundestrainer Markus Weise nach dem unglücklichen 0:1 gegen Gastgeber Niederlande kämpferisch. Für den Olympiasieger war es jedoch schon die zweite Niederlage im dritten Match bei der Weltmeisterschaft in Den Haag.

Nur bei eigenen Siegen gegen Neuseeland und Südkorea und einem Patzer des Rivalen Argentinien wäre das Eingreifen des Mitfavoriten in den WM-Titelkampf überhaupt noch möglich. Ähnlich ungünstig sieht es bei den DHB-Damen (4 Punkte) aus, die am Freitag gegen Weltmeister Argentinien (0:3) ihre erste Schlappe bei der WM bezogen. Gegen die USA, die die Tabelle mit Argentinien (je 7) anführen, muss am Pfingstsonntag ebenso ein Dreier her wie zum Vorrundenabschluss gegen England, um die Chance auf den Sprung in die Vorschlussrunde aufrechtzuerhalten.

Dass sich die Herren als WM-Zweiter von 2010, Europameister 2011 und 2013 sowie Olympiasieger von 2012 in Den Haag schwertun würden, war so nicht zu erwarten. Allerdings räumte Weise früh ein, dass sein Team nach einer kurzen und von Verletzungspech begleiteten Vorbereitung "nicht mit 100 Prozent" in die WM starten würde. "Dazu fehlen uns fünf, sechs Vorbereitungsspiele." In Kapitän Moritz Fürste (Kreuzbandriss) fehlt ihm zudem jene Kreativkraft, die gegen Argentinien und die Niederlande (jeweils 0:1) für die genialen Offensiv-Momente hätte sorgen können.

"Zwei Spiele nacheinander ohne ein Tor sind für uns schon sehr ungewöhnlich", urteilte der Coach. Nun wird es darauf ankommen, dass seine erfahrene Mannschaft wie so oft in der Vergangenheit in der Drucksituation zum Top-Niveau zurückfindet. Schon gegen das Oranje-Team boten sich Chancen zuhauf, um wenigstens einen Punkt zu retten. "Wir sind gut dabei, aber es fehlt ein Tick", befand Weise. Kapitän Max Müller forderte sich und seine Kollegen dazu auf, "die richtigen Schlüsse zu ziehen und ins Neuseeland-Spiel mitzunehmen. Nur so kann es gehen.".

Beim Auftritt der noch im Umbruch steckenden DHB-Damen war deutlich zu erkennen, dass die individuelle Klasse noch nicht ausreicht, um einen Gegner vom Kaliber des Titelverteidigers Argentinien zu gefährden. "Gegen den Weltmeister zu verlieren ist keine Schande", sagte Coach Jamilon Mülders, der im Vorjahr mit dem überraschenden Gewinn des EM-Titels den erfolgreichen Neustart einleitete. Diese Leistungen gegen die Besten der Welt zu bestätigen, ist nun die große Herausforderung für die durchaus selbstkritischen jungen Akteurinnen. "Wir spielen hier noch nicht das, was wir können", gab die Hamburgerin Lisa Altenburg zu. "Aber wir glauben solange an unsere Halbfinal-Chance, bis die Gruppenphase zu Ende gespielt ist."