Paris - Zärtlich wie ein Baby hielt Maria Scharapowa die Coupe Suzanne-Lenglen bei der Siegerehrung der French Open in den Händen. Später kuschelte sie sich an die Silbertrophäe und umarmte sie.

"Das ist der emotionalste Sieg für mich. Der physisch härteste in einem Finale, besonders bei einem Grand Slam", sagte die Russin nach einem der spannendsten und hochklassigsten Damen-Endspiele der vergangenen Jahre, das die Fans auf dem Court Philipp Chatrier am Samstag drei Stunden und zwei Minuten lang in Atem hielt - bis Scharapowas 6:4, 6:7 (5:7), 6:4 über die niemals aufgebende Endspiel-Debütantin Simona Halep aus Rumänien feststand.

Zehn Jahre nach ihrem ersten Grand-Slam-Titel in Wimbledon begab sich die 27-jährige Scharapowa unter dem Eindruck des insgesamt fünften großen Triumphes auf eine Zeitreise. "Ich war in vielen Grand-Slam-Finals, und jedes fühlt sich anders an. Ich habe das Gefühl, dass ich diese Momente mehr zu schätzen weiß, je älter ich werde", sagte die neben Serena Williams populärste Tennisspielerin der Gegenwart. Die Weltranglisten-Erste hatte ihr im vorigen Jahr im Finale eine erfolgreiche Titelverteidigung in Paris verwehrt.

Nie hätte es die Wahl-Amerikanerin nach je einem Erfolg in Wimbledon, bei den US, Australian und French Open für möglich gehalten, sich ausgerechnet im Stade Roland Garros zum zweiten Mal durchzusetzen. Auch am Sonntagmorgen fragte sie sich via Twitter nach dem Aufwachen ungläubig, ob sie wirklich die French Open gewonnen habe. "Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich an einem Punkt meiner Karriere mehr Titel in Roland Garros habe als bei jedem anderen Grand Slam, wäre ich mich wahrscheinlich betrinken gegangen", scherzte sie. Scharapowa galt als stärker auf schnelleren Belägen.

Doch inzwischen ist sie dank ihrer Kämpferqualitäten auf dem roten Sand fast nicht mehr zu schlagen. Nur eines von 20 Matches verlor Scharapowa in diesem Jahr auf Asche, seit 2012 waren es vier von 58. Vier schwere Drei-Satz-Matches in Serie gewann Scharapowa auf dem Weg zum Titel, seit 20 Partien ist sie auf Sand ungeschlagen, wenn es über die volle Distanz ging. So wie am Samstag, als erstmals seit 2001 ein dritter Satz in einem Damen-Endspiel der French Open nötig war und sich das längste Finale entwickelte, seit Steffi Graf 1996 nach der Rekordzeit von 3:04 Stunden 10:8 im dritten Satz gegen Arantxa Sanchez Vicario gewann.

Vor einem halben Jahr und langer Verletzungspause hätte Scharapowa selbst wohl kaum damit gerechnet, wieder über ein derartiges Stehvermögen zu verfügen. "Ich bin durch Europa gereist und habe eine Lösung gesucht, damit es meiner Schulter besser geht. Ich hatte zu der Zeit keinen Trainer", erinnerte sie sich. Kein Wunder, dass sie nach einem Kniefall im ersten Siegesrausch auf die Tribüne zu ihrem niederländischen Coach Sven Groneveld kletterte, ihrer Entourage in die Arme fiel und sich bei der Siegerehrung auch ausdrücklich bei ihrem deutschen Trainingspartner Dieter Kindlmann bedankte.

Ein wohl verdientes Lob hatte Scharapowa, die von Platz acht auf fünf in der Weltrangliste springen wird, auch für die zunächst weinende Halep übrig. Zwei Tage nach dem Halbfinal-Sieg gegen Andrea Petkovic hatte die künftige Nummer drei großen Anteil an dem denkwürdigen Nachmittag. "Ich habe keine drei Sätze, drei Stunden erwartet. Ich bin glücklich, dass ich so lange auf dem Platz bleiben durfte", sagte Halep nach ihrem ersten Grand-Slam-Endspiel. "Natürlich werde ich dieses Match nie vergessen."